Gescheiterte Rückkehrer: Warnende Beispiele für Darmstadts Kempe

Gescheiterte Rückkehrer: Warnende Beispiele für Darmstadts Kempe

Heimlich, still und leise hat der SV Darmstadt 98 den Transfer von Tobias Kempe eingefädelt. Der Mittelfeldspieler schnürte bereits von 2014 bis 2016 die Stiefel für die Lilien und stieg mit dem Klub in die Bundesliga auf. Ob er jetzt an die Erfolge von damals anknüpfen kann? Gescheiterte Rückkehrer gab es im deutschen Fußball bereits des Öfteren.

60 Pflichtspiele (4 Tore, 12 Assists) absolvierte Tobias Kempe während seines ersten Engagements beim SV Darmstadt 98. Er spielte bei den Hessen nur unter Trainer Dirk Schuster. Unter dem ehemaligen Lilien-Erfolgscoach war er ein wichtiger Bestandteil des Teams und schwang sich zu einem Publikumsliebling auf. Mit Darmstadt gelang ihm im ersten Jahr der sensationalle Sprung in die Bundesliga und dort der Klassenerhalt. Im Sommer 2016 folgte er dem Lockruf des 1. FC Nürnberg, für er in der vergangenen Saison 28 Spiele bestritt.

Am Freitag machte der SVD die überraschende Rückkehr öffentlich. Trainer Torsten Frings ist von seinem neuen Spieler begeistert und ist überzeugt davon, dass der 28-Jährige auf Anhieb eine Verstärkung sein wird:

„Wir sind glücklich, mit Tobias einen offensiv variablen Spieler verpflichtet zu haben, der zudem den Verein und dessen Werte bereits gut kennt. Wir hoffen, dass er uns besonders mit seiner großen Erfahrung und seiner Stärke bei Standards weiterhelfen wird.“

Die Erwartungen am Böllenfalltor sind hoch. Kann Kempe auch bei seinem 2. Gastspiel bei den Lilien überzeugen? Er wäre nicht der erste Spieler, der nach seiner Rückkehr zum Ex-Verein nicht an alte Glantteiten anknüpfen könnte.

Mario Götze: Der BVB-Akteur hat ein Jahr zum Vergessen hinter sich. Seit seiner Rückkehr vom FC Bayern zum BVB konnte er nicht Fuß fassen. Aufgrund einer Stoffwechselerkrankung stand er seit Februar nicht mehr auf dem Platz. Von den Leistungen, die er im schwarz-gelben Trikot vor seinem Wechsel zum FC Bayern zeigte, war er bei seinen wenigen Auftritten meilenweit entfernt.

Die ernüchternde Bilanz seit seiner Rückkehr: 16 Einsätze, davon 14 in der Startelf. 2 Tore und 2 Assists gelangen ihm dabei. Da hatten sich Fans und Verantwortliche sicherlich mehr von versprochen.

Michael Ballack: Über Jahre war Ballack das Aushängeschild des deutschen Fußballs und der beste Akteur im DFB-Team. Während seines ersten Engagements bei Bayer Leverkusen (1999-2002) avancierte er zum Weltklasse-Spieler. Er führte die Werkself 2002 sogar ins Finale der Champions League (1:2 gegen Real Madrid).

Nach 4 erfolgreichen Jahren bei Bayern München (3 Meisterschaften, 3 Pokalsiege) und 4 Spielzeiten beim FC Chelsea (6 Titel) wollte Ballack seine Karriere dort ausklingen lassen, wo sie erfolgreich in Schwung gekommen war: Bei Bayer Leverkusen.

Heute wissen wir, dass dieser Schritt ein Fehler war. Von 2010 bis 2012 stand der gebürtige Sachse bei Bayer noch unter Vertrag, absolvierte allerdings in diesem Zeitraum lediglich 45 von 91 möglichen Partien. Vor seinem letzten Heimspiel für Leverkusen sagte Ballack in einem TV-Interview: „Unter sportlichen Gesichtspunkten war es für mich zum Vergessen!“

Tim Borowski: Als ambitionierter Nationalspieler verließ Borowski 2008 Werder Bremen, um mit Bayern München um Titel zu spielen. In München allerdings fand sich der Blondschopf nicht zurecht, obwohl er in seiner einzigen Saison im Trikot des Rekordmeisters 35 Einsätze absolvierte.

Allerdings stand der damalige Nationalspieler dabei nur 10 Mal in der Startelf und durfte nur 6 Spiele über 90 Minuten absolvieren. Also zog es Borowski nach nur einer Spielzeit zurück in den Norden zum SV Werder, seinem Heimatverein.

Bei den Hanseaten gehörte er zwar wieder regelmäßig zur Stammformation (27 von 45 Spielen in der Anfangself), an seine früheren Leistungen konnte er aber nicht anknüpfen. Vor allem aufgrund von Verletzungen wurden seine Einsätze von Saison zu Saison weniger: 1. Jahr 45 Spiele, 2. Jahr 17 Spiele, 3. Jahr 2 Spiele. Nach der Saison 2011/12 beendete Borowski letztendlich seine Karriere.

Ivica Olic: 2 Mal in seiner Karriere zog es den Kroaten zum Hamburger SV. War sein erstes Engagement in der Elb-Metropole von Erfolg gekrönt, wurde seine Rückkehr zum Desaster. In seiner ersten Zeit beim HSV (2007-2009) war der Stürmer ein Leistungsträger und bester Torschütze seines Klubs. In 100 Spielen erzielte er 43 Tore. Der FC Bayern wurde auf Olic aufmerksam und holte ihn an die Isar.

Nach 5,5 Jahren in München und Wolfsburg folgte im Januar 2015 der Wechsel zurück in den hohen Norden. Im HSV-Trikot enttäuschte er allerdings auf ganzer Linie und wurde schnell zum Bankdrücker. In 28 Spielen gelangen ihm nur magere 3 Tore. Olic verlor seinen Platz im Kader der kroatischen Nationalmannschaft für die EM 2016 und verließ Hamburg schließlich im Juli 2016. Nach einem Intermezzo beim TSV 1860 München, mit denen Olic aus der 2. Bundesliga abstieg, beendete er vor wenigen Tagen seine Karriere.

Tobias Kempe sollte gewarnt sein. Nicht immer ist die 2. Zeit beim Ex-Verein so schön wie die erste. Neben den obigen Beispielen können u.a. auch Ashkan Dejagah, Nuri Sahin, Jörg Albertz, Benjamin Lauth oder Rafael van der Vaart ein Lied davon singen.

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