Galatasaray: Trainerstuhl ein Schleudersitz

Galatasaray: Trainerstuhl ein Schleudersitz

Während der Länderspielpause hat Galatasaray Istanbul seinen Trainer vor die Tür gesetzt. Hamza Hamzaoglu ist in einer kurzfristigen Aktion gefeuert worden. Er verlängert die Liste der entlassenen Trainer beim türkischen Spitzenklub. Langfristiges Arbeiten ist am Bosporus scheinbar unmöglich.

Die Entlassung von Hamza Hamzaoglu kam überraschend. Der 45-jährige Übungsleiter hatte Galatasaray erst in der Vorsaison zur Meisterschaft geführt. Zwar liegt sein Team momentan nur auf Platz 3 in der Süper Lig, allerdings ist Tabellenführer Besiktas noch in Reichweite. Als Gründe für die Entlassung werden von der Vereinsspitze der schwache Saisonstart und die schlechten Resultate in der Champions League genannt.

Fans und Medien sind enttäuscht und ratlos, sollte Hamzaoglu den Verein doch langfristig Erfolge bescheren. Nach zahlreichen ausländischen Trainern in der jüngeren Vergangenheit schien es mit Hamzaoglu endlich mal zu passen. Der Übungsleiter brauchte keinen Übersetzer bei seinen Ansprachen, seine ruhige Art passte gut zum temperamentvollen und aufbrausendem Verein. Eigentlich alles positiv für den Klub. Galatasaray konnte sich über ihn freuen. Doch die Freude hielt nicht lange.

Laut türkischen Medienberichten war ein Disput mit Vorstandsmitglied Dursun Özbek der wahre Grund für die plötzliche Entlassung. Es ging um den Transfer von Stürmer Umut Bulut, der auf Wünschen der Vereinsbosse verkauft werden soll. Hamzaoglu sprach sich allerdings dagegen aus, stellte sich gegen den Vorstand und ließ sich seinen Mund nicht verbieten. Das kostete ihn letztendlich seinen Job.

Diese Art der Trainerentlassung ist bei Galatasaray nicht unüblich. Obwohl der Klub in den letzten 10 Jahren 5 Mal Meister wurde und 2 Mal den Pokal gewann wechselt der Trainer bei „Cimbom“ fast jährlich. Die Trainerhistorie der letzten 5 Jahre macht das deutlich:

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Wesley Sneijder hat bereits unter 4 verschiedenen Trainer bei Galatasaray gespielt.

• Frank Rijkaard, 05.06.2009 bis 20.10.2010

• Gheorghe Hagi, 21.10.2010 bis 22.03.2011

• Bülent Ünder, 25.03.2011 bis 19.05.2011

• Fatih Terim, 20.05.2011 bis 24.09.2013

• Roberto Mancini, 30.09.2013 bis 30.06.2014

• Cesare Prandelli, 07.07.2014 bis 28.11.2014

• Hamza Hamzaoglu, 01.12.2014 bis 18.11.2015

Oft ist der Grund einer Trainerentlassung nicht den sportlichen Resultaten geschuldet, sondern einer Machtdemonstration der Vereinsoberen. Das ist nicht nur bei Galatasaray so. Dieses Verhalten zieht sich wie ein roter Faden durch den türkischen Fußball. Langfristiges Arbeiten ist nur schwer möglich und dadurch berauben sich viele Klubs ihrer Möglichkeiten. Trainerentlassungen kosten eine Menge Geld und die Mannschaft bekommt einen neuen Chef vorgesetzt, der womöglich andere Vorstellungen vom Fußball hat als sein Vorgänger. Das sind alles keine guten Aussichten.

Wie geht es jetzt bei Galatasaray weiter? Erstmal wird Claudio Taffarel das Training leiten. Der ehemalige Nationaltorhüter Brasiliens gehörte zum Trainerteam von Hamzaoglu. Als langfristige Lösung ist er allerdings nicht vorgesehen. Lucien Favre wurde als neuer Coach der Löwen gehandelt, verwies Gerüchte über eine mögliche Zusammenarbeit allerdings selbst ins Reich der Fabeln. Aber egal wer neuer Cheftrainer bei Galatasaray wird: Ein langfristiges Engagement ist in Istanbul nur schwer vorstellbar.

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