Fürth, Trier, Wolfsburg – Dortmunds Pokal-Reise des Grauens

Fürth, Trier, Wolfsburg – Dortmunds Pokal-Reise des Grauens

Es ist das ungewöhnlichste Pokalspiel des Jahres: SF Lotte aus der 3. Liga empfängt im Viertelfinale den CL-Teilnehmer Borussia Dortmund. Sieht einfach aus, ist aber mit Blick auf die wechselhafte Pokal-Historie des BVB knifflig. Gegen vermeintliche Underdogs lieferte die Borussia oft peinliche Pleiten. Eine Auswahl der größten Ausrutscher.

Im Sommer 2016 gehörte Rudi Thömmes zu den gefragtesten Interviewpartnern. Der inzwischen als Assistenztrainer von Eintracht Trier tätige, in Ehren ergraute Pokalheld der Rheinland-Pfälzer, musste vor dem Duell gegen Borussia Dortmund in Runde 1 des DFB-Pokals immer wieder erzählen, wie er den BVB im Oktober 1997 aus dem Wettbewerb schoss. „Rudi, erzähl mich das Tor“… 2:1 siegte der damals drittklassige Klub aus Trier gegen den amtierenden Champions-League-Sieger aus Dortmund, eines der größten Husarenstücke der DFB-Pokal-Geschichte. „Man sagt ja, man soll im Hellen nach Hause kommen – und daran haben wir uns gehalten“, berichtete Thömmes vor dem jüngsten Pokal-Duell der Trierer gegen den BVB, „wir haben in einem Restaurant gefeiert und auf den Tischen getanzt.“

„Ruuuudi“ und die Trierer Eintracht – es war nicht die einzige Pokal-Party eines vermeintlichen Außenseiters gegen den BVB. 13 Mal gingen Dortmunder Duelle im Pokal gegen unterklassige Gegner schief.

1983: Mit 0:5 das Finale verklatscht

Alles begann 1971. Im damals mit Hin- und Rückspiel ausgetragenen DFB-Pokal verabschiedete sich Dortmund gegen die zweitklassigen Offenbacher Kickers aus der Regionalliga mit 1:4 in der Addition. 1976/77 startete Bundesliga-Rückkehrer Borussia Dortmund mit einem 10:0 gegen Concordia Haaren und einem 2:0 in Aachen hoffnungsvoll, scheiterte dann aber in Runde 3 am Zweitligisten VfL Osnabrück. Die Violetten kickten den BVB auch 2009 (Achtelfinale) aus dem Cup. 1983 verhinderte eine 0:5-Klatsche bei Fortuna Köln aus der 2. Liga Dortmunds Sprung ins Finale. Manni Burgsmüller und Co. waren bedient…

BVB-Stars scheiterten an Jena, Wattenscheid und Wolfsburgs Reserve

In die Top 10 der Pokal-Peinlichkeiten stieß der BVB ab 1990 vor. Einen Zahnarztbesuch ziehen eingefleischte Dortmunder Fans bis heute jeder Wiederholung des Pokalspiels beim fränkischen Landesligisten SpVgg Fürth (1:3) auf DVD oder Video vor. Gilt auch für die 2. Runde 1993/94: Mit 0:1 verlor das Star-Ensemble von Trainer Ottmar Hitzfeld im Westfalenstadion gegen den Zweitligisten FC Carl Zeiss Jena. Am Saisonende 1996/97 stand für den BVB mit dem Gewinn der Champions League der größte Erfolg der Vereinsgeschichte. Doch im Pokal hieß es 3:4 nach Verlängerung bei der drittklassigen SG Wattenscheid 09. Aus in Runde 1, die Lohrheide wackelte!

Pokal-Aus in Degerloch krönt Seuchen-Jahr

Dass die Borussia 1999/2000 trotz hochkarätiger Investitionen, u. a. holte man Nationalspieler Fredi Bobic und den Nigerianer Victor Ikpeba, am Ende 3 Trainer brauchte, um sich vor dem Abstieg zu retten, passte ebenso zu dieser restlos verkorksten Dortmunder Saison wie das 1:3 in der 3. Pokalrunde bei den Stuttgarter Kickers (2. Liga). Die in der Oberliga beheimateten Amateure des VfL Wolfsburg setzten 2001 noch einen drauf und schlugen den späteren Deutschen Meister BVB mit 1:0. Dortmunds Trainer Matthias Sammer war danach nicht wirklich in Small-Talk-Laune…

Die Pokal-Negativ-Serie der Borussia konnte auch Erfolgstrainer Jürgen Klopp nicht auf Anhieb beenden. In der Meister-Saison des BVB 2010/2011 scheiterten Dortmunds junge Wilde um Mats Hummels im Elfmeterkrimi an Kickers Offenbach aus der 3. Liga.

Dortmunds Spiele im Pokal gegen Außenseiter – eine Serie von Pleiten, Pech und Pannen und allerbeste Motivation für die Sportfreunde Lotte…

Millionen auf der Bank, Aus im Pokal: Die BVB-Stars (v. l.) Jens Lehmann, Marcio Amoroso, Heiko Herrlich und Tomas Rosicky 2001 in Wolfsburg.
Millionen auf der Bank, Aus im Pokal: Die BVB-Stars (v. l.) Jens Lehmann, Marcio Amoroso, Heiko Herrlich und Tomas Rosicky 2001 in Wolfsburg.
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