Talente gehen - Kassen voll: Mainz als FC Porto der Bundesliga

Talente gehen – Kassen voll: Mainz als FC Porto der Bundesliga

Jhon Córdoba, Yunus Malli, Shinji Okazaki, Johannes Geis und der künftige Schalker Suat Serdar – was haben diese 5 Spieler wohl gemeinsam? Sie alle verschacherte der FSV Mainz 05 für eine 2-stellige Millionenablöse. Jahr für Jahr erwirtschaften die Rheinhessen ein ordentliches Transferplus und schaffen es trotzdem, sich immer wieder neu zu erfinden.

Junge Talente günstig verpflichten, sie anschließend formen und zu einem Top-Spieler entwickeln. So lautet die Philosophie des FC Porto. Der portugiesische Spitzenklub hat mit dieser Methode seit über einem Jahrzehnt Erfolg. 10 Meisterschaften konnte der Verein in diesem Jahrtausend bereits feiern und hat zudem noch sehr viel Geld erwirtschaftet. Um genau zu sein: € 545 Mio. in den letzten 8 Jahren. Nicht ganz so erfolgreich, aber dennoch eine ähnliche Strategie verfolgt der 1. FSV Mainz 05.

Nkufo und Friedrich machten den Anfang

Der „Aus- und Weiterbildungsverein“ (Ex-Manager Christian Heidel) holt junge Talente, um sie irgendwann mit sattem Plus weiterzuverkaufen. Wie jetzt Suat Serdar. Hier zeigt sich wieder das exzellente Scouting der 05er. Schon 2008 von Hassia Bingen ins Mainzer Nachwuchsleistungszentrum gekommen, zieht der Mittelfeldspieler nach 45 Bundesliga-Einsätzen zum Vizemeister nach Gelsenkirchen weiter. Die Ausstiegsklausel lag bei 11 Mio. €.

Mit dem Serdar-Verkauf führen die Mainzer eine alljährliche Tradition weiter. In jeder Transferperiode muss um Spielmacher, Torjäger oder Abwehrchef gebangt werden. Wenn größere, finanzkräftigere Klubs kommen, zieht der FSV zumeist den Kürzeren. Den Anfang hatten im Sommer 2002 Manuel Friedrich (für 2,5 Mio. € zu Werder Bremen) und Blaise Nkufo (für 1,4 Mio. € zu Hannover 96) gemacht. Es waren die ersten Mainzer Abgänge für eine 7-stellige Ablösesumme. Besonders kurios: An Friedrich verdiente der FSV sogar gleich 2 Mal. Nach seinem Abgang 2002 kam er für 1,3 Mio. € nur 2 Jahre später wieder zurück. 2007 legte Bayer 04 Leverkusen erneut 2,5 Mio. € auf den Tisch.

Szalai, Holtby, Schürrle: Auch die „Bruchweg Boys“ bilden ein Kapitel der erfolgreichen Mainzer Transferhistorie.

Wackelt der Transfer-Rekord von 2015?

Das erste ganz große „Ding“ drehte der FSV Mainz 05 mit Mohamed Zidan. Der Ägypter war den Rheinhessen im Januar 2007 eine Ablöse von € 2,8 Mio. wert. Nur wenige Monate später wurde er für € 6,5 Mio. zum Hamburger SV transferiert. Die stetig steigenden TV-Gelder und Preise auf dem Markt sollten zu weiteren Transfer-Coups verhelfen. So sorgte Christian Heidel (jetzt Schalke 04) in seinem letzten Jahr als FSV-Manager noch einmal für eine Rekordbilanz.

34 – in Worten vierunddreißig Millionen – flossen im Sommer 2015 auf das Vereinskonto. Allen voran, weil der frühere Autohändler Heidel die Schnäppchen-Transfers Johannes Geis (10,5 Mio. €/Schalke) sowie Shinji Okazaki (11,0 Mio.€/Leicester City) jeweils für etwa das 10-fache ihres Einkaufswertes an den Mann gebracht hat. Ein Rekordjahr für die Ewigkeit? Wer weiß! Heidels Nachfolger Rouven Schröder hat noch 2 weitere Goldesel im Stall.

Für Abdou Diallo, beim BVB und Arsenal London hoch im Kurs, sowie Jean-Philippe Gbamin wird nicht viel weniger Kohle als bei Suat Serdar fällig. Insgesamt kassierte Mainz in diesem Jahrtausend über € 162 Mio. an Ablösesummen. Zum Vergleich: Der Mainzer Etat für eine ganze Saison (alle Bundesliga-Wetten) beträgt vielleicht einem Drittel dieser Summe. Durchschnittlich kann der Klub durch Transfererlöse immerhin mit 9 Mio. € pro Jahr planen. Wenn man jedoch bedenkt, dass der FSV seit 2000 auch 6 Jahre in der 2. Liga verbracht hat, ist dies eine mehr als achtbare Bilanz!

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