Felix Magath nach China: Die berühmte Faust aufs Auge

Felix Magath nach China: Die berühmte Faust aufs Auge

427 Partien als Spieler, 496 Bundesligabegegnungen als Trainer, 6 Mal deutscher Meister, 2 Mal DFB-Pokalsieger, Gewinner des Landesmeistercups, Europameister und 2 Mal Vize-Weltmeister – zudem war er der erste deutsche Cheftrainer in der englischen Premier League. Die Rede ist von Felix Magath! Nun schlägt der gebürtige Bayer ein neues Kapitel auf. Der 62-Jährige wird Trainer des chinesischen Erstligisten Shandong Luneng Taishan. Dies verkündete er auf seiner Facebook-Seite.

In der Bundesliga war Felix Magath berühmt-berüchtigt für seine knallharten Trainingseinheiten, in denen auch das eine oder andere Mal Medizinbälle ihren Platz fanden. Es gab Spieler, die nur durch einen strikten und fast militärischen Führungsstil ihr volles Potenzial abriefen. Dann gab es wiederum die Kicker, die Streicheleinheiten für das volle Leistungsoptimum benötigten. Diese hatten es bei Magath ein weniger schwerer.

Aus der Abstiegszone führen

Diese Erfahrung werden auch bald einige Spieler in der chinesischen Super League machen. Denn „Quälix“ übernimmt ab sofort Shandong Luneng Taishan. Der Klub aus der Stadt Jinan im Osten der Volksrepublik rangiert nach 11 Spielen mit nur 9 Punkten in der Abstiegszone in der chinesischen Eliteliga.

Gil
Ist derzeit mit Brasilien bei der Copa America unterwegs – Abwehrspieler Gil

Magath soll den Verein nun wieder auf Vordermann bringen und wieder in ruhige Fahrwässer führen.

„Ich bin sehr interessiert am großen Aufbruch im chinesischen Fußball und werde mich und mein Team dabei intensiv und mit ganzer Kraft einbringen. Auf diesen großartigen Club, das Land China, die Begegnung mit seinen Menschen und die Stadt Jinan bin ich sehr gespannt und freue mich außerordentlich auf die bevorstehende Aufgabe.“

Das schreibt Magath auf seiner Facebook-Seite. Entgegen aller Trends in Fernost ist in Jinan noch nicht der große Geldwahn ausgebrochen.

Ein alter Bekannter wartet

Während die Konkurrenten von Shenhua Shanghai und Guangzhou Evergrande Unsummen für Spieler von europäischen Top-Vereinen ausgaben, hat der neue Magath-Arbeitgeber lediglich 5 etwas unbekanntere Brasilianer in seinen Reihen. Aloisio, Diego Tardelli, Jucilei, Gil sowie Walter Montillo (Argentinien) hinterließen in ihrer Karriere noch keine großen Fußabdrücke im europäischen Fußball.

Lediglich Gil könnte einigen Hardcore-Fans etwas sagen. Der Abwehrspieler wechselte im Januar für € 8,5 Mio. von Corinthians zu Shandong Luneng und ist aktuell mit der brasilianischen Nationalmannschaft bei der Copa America in den USA aktiv.

Kein Wunder ist es, dass Magath selbst in China auf einen alten Bekannten trifft. Unter den gefühlt 1000 Neuverpflichtungen, die er in seiner Zeit beim FC Schalke 04 und VfL Wolfsburg tätigte, war unter anderem auch Junmin Hao. Der zentrale Mittelfeldspieler wurde im Januar 2010 als großes chinesisches Talent auf Schalke angepriesen. Gesehen haben davon die Fans der Knappen davon nur wenig. In 1,5 Jahren kam der Chinese gerade einmal auf 19 Pflichtspieleinsätze. Inzwischen ist Hao 29 Jahre alt und Kapitän des neuen Magath-Klubs.

China passt zu Magath

Hao
Trainierte schon auf Schalke unter Magath – Junmin Hao

Dass Magath gerade nach China geht, verwundert nicht besonders. Immerhin hatte er sowohl in Gelsenkirchen als auch in Wolfsburg einige Euros zur Verfügung, um fast die gesamte Mannschaft umzukrempeln. € 44,7 Mio. gab der ehemalige Nationalspieler auf Schalke in nur 4 Transferperioden aus. Zwar bewies er bei Klaas-Jan Huntelaar, Raul, Lewis Holtby, Atsuto Uchida und Kyriakos Papadopoulos ein glückliches Transferhändchen, allerdings war er ebenso für die Flops Jose Manuel Jurado (für € 11 Mio. von Atletico Madrid), Anthony Annan (für € 2 Mio. von Rosenborg Trondheim), Ciprean Deac (für € 3 Mio. von Cluj), Ali Karimi, Nicolas Plestan, Tim Hoogland, Junmin Hao (alle ablösefrei) und viele weitere verantwortlich.

Auch beim VfL Wolfsburg verpflichtete er in seiner ersten Amtszeit in nur 2 Jahren satte 30 Spieler. Sieht so aus, als wenn sich die Fans von Shandong Luneng Taishan also bald auf einen großen Umbruch vorbereiten müssten. Denn die Besitzer, die Firmengruppe Shandong Luneng, wird sich langfristig nicht mit Platzierungen in der unteren Tabellenhälfte zufrieden geben. Immerhin sicherte sich Taishan seit der Gründung der Chinese Super League im Jahre 2004 insgesamt 3 Mal den Titel (2006, 2008 und 2010), was sich eher nach den Ansprüchen eines Felix Magath anhört.

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