FC St. Pauli: Die Wiederauferstehung der Kiezkicker

FC St. Pauli: Die Wiederauferstehung der Kiezkicker

Keine 8 Monate ist es her, da sah der FC St. Pauli wie ein sicherer Absteiger aus der 2. Bundesliga aus. Was dann folgte, war der ultimative Beweis dafür, dass Totgeglaubte länger leben. Ohne in Panik zu verfallen, zogen sich die Hamburger an den eigenen Haaren aus dem Abgrund. Die Piraten der Liga mischten das deutsche Fußball-Unterhaus auf. Der Start in die neue Spielzeit? Verheißungsvoll!

„Vier Punkte aus zwei Spielen, unser Saisonauftakt ist definitiv gelungen“ stellte FCSP-Sportdirektor Andreas Rettig nach dem 2:2 im Topspiel gegen Dynamo Dresden am Montag fest. Ganz anderes Bild in der Vorsaison. Damals warfen 3 Pleiten zu Beginn ihren dunklen Schatten voraus: Auftakt verpatzt, Hinrunde verpatzt.

Die sanfte Seite des FC St. Pauli

Schlusslicht, 11 Punkte und mit 11 Toren der schlechteste Angriff der 2. Bundesliga – die Bilanz der ersten Saisonhälfte war 2016/17 verheerend. Zeitweise hatte St. Pauli 6 Zähler Abstand zum rettenden Ufer. Bei manch anderem Verein wären da zum Jahreswechsel etliche Köpfe gerollt. Zu allererst der des Trainers. Doch egal wie martialisch und wild sich die Kiezkicker oft geben, ruht der Verein im Innern. Die Braunweißen hielten an Chefcoach Ewald Lienen fest und stellten ihm mit Olaf Janßen einen starken Co-Trainer zur Seite.

Damit leitete der FC St. Pauli einen sanften und besonnenen Übergang ein. Ein halbes Jahr später übernahm Janßen den Posten an der Seitenlinie und Lienen wurde technischer Direktor. Einzig Sportchef Thomas Meggle musste im Winter die Führungsriege des Kiezklubs verlassen. Geschäftsführer Rettig übernahm vorerst und leitete mit seinen Transfers den Aufschwung ein. Die Hamburger starteten durch: 34 Punkte, Platz in 3 Rückrundentabelle, mit 11 Gegentoren die beste Abwehr der Liga und mit 28 Treffern die drittbeste Offensive.

Bereit zum Entern

„Ich kann den Staffelstab guten Gewissens übergeben“, sagte Lienen nach der erfolgreichen Aufholjagd. Janßen nahm diesen dankend an und führte die Erfolgsgeschichte, die er als Assistent selber mitgeschrieben hatte, als Chef weiter fort. Der FCSP ist Saisonübergreifend seit 10 Spielen ungeschlagen (7 Siege, 3 Remis).

Das erfolgreiche Rückrunden-Team bleibt dem Coach weitestgehend erhalten. Die Leihgaben Cenk Sahin und Mats Möller Daehli blieben. Mit dem erfahrenen Sami Allagui, der ablösefrei von Hertha BSC kam, erfuhr der Angriff zudem ein echtes Upgrade. Einzig Sören Gonther, verließ den Klub aus und schloss sich Dynamo Dresden an. Der Kapitän gehörte jedoch nicht immer zum Stammpersonal. Auf seiner Innenverteidigerposition wurde Clemens Schoppenhauer als Backup aus Würzburg geholt.

Spannendste Spielzeit seit Jahren

Fast die halbe 2. Bundesliga liebäugelte zum Saisonstart mit dem Aufstieg. Kein Wunder, denn nachdem es in den letzten Jahren immer Top-Favoriten gab, ist die Spitze der Liga in dieser Saison breiter. Nun hat mit dem FC Ingolstadt ausgerechnet der heißeste Aufstiegs-Kandidat einen krachenden Fehlstart hingelegt (2 Niederlagen). Das steigert bei einigen Vereinen die Ambitionen – auch beim FC St. Pauli, der seit 6 Jahren von einer Rückkehr in die Bundesliga träumt.

Gelingt Allagui auch mit St. Pauli der Aufstieg?
Neuzugang Sami Allagui (rechts) bringt die Aufstiegserfahrung von 2013 aus Berlin mit an den Kiez.
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