FC Liverpool: Das neue Anfield kann Klopps X-Faktor sein

FC Liverpool: Das neue Anfield kann Klopps X-Faktor sein

Mehr Fans, höhere Einnahmen – mit dem ausgebauten Stadion in Anfield greift der FC Liverpool sportlich wie finanziell die Spitze der englischen Premier League an. Die neue Haupttribüne gewinnt zwar keine Spiele, aber sie kann den Reds helfen, die dürftige Heimbilanz aufzupolieren.

Jürgen Klopp schien gewusst zu haben, was auf sein Team zukommt. 2 Tage vor der Eröffnung des New Main Stand, der neuen Haupttribüne im altehrwürdigen Stadion von Anfield gegen Leicester City (4:1) Mitte September, ließ der deutsche Coach des FC Liverpool – gegen seine Gewohnheiten – seine Mannen abends in der erweiterten Arena trainieren.

Die neue Tribüne ist beeindruckend

„Ich wollte nicht, dass meine Jungs im Spiel überrascht werden“, erklärte Klopp, „weil es so viel anders, so viel größer aussieht.“ Und vor allem, weil es viel lauter ist als vorher. 8.500 zusätzliche Sitzplätze sorgen nun für eine Zuschauerkapazität von 54.000. Eine weitere Erhöhung auf 58.800 ist geplant.

Der erste Eindruck vieler Besucher: Das berühmte You‘ ll never walk alone, Liverpools unsterbliche Fan-Hymne, scheint dank der imposanten, 3-stöckigen Tribüne noch lauter zu klingen als vorher.

„Ich habe in Dortmund vor der gelben Wand gespielt“, erzählte Jürgen Klopp bei der offiziellen Begehung des Stadions im September durch die Klub-Verantwortlichen um Eigentümer John W. Henry, „und eine solche Atmosphäre wollen wir in diesem Stadion mit einer besseren Akustik auch schaffen.“

Liverpool baut, Liverpool baut nicht – eine lange Geschichte…

Bis zur Fertigstellung der neuen Tribüne hatte der FC Liverpool einen weiten Weg zurückzulegen. Schon 1999 stellte der Verein seinen Fans Pläne für einen Stadionumbau vor, 2002 fasste man gar den (später verworfenen) Entschluss, Anfield zu verlassen und im Stanley Park eine völlig neue Arena zu bauen. Die 2012 verabschiedete Aufstockung schien am Ende die vernünftigste Lösung zu sein. Die wuchtige Tribüne ließ sich der LFC umgerechnet fast € 130 Mio. kosten.

Das neue Anfield soll nicht nur die Gegner schlottern lassen, es wird dem Klub mehr Spieltageinnahmen einbringen. Mit rund € 59 Mio., die die Reds aus dem Ticketing generieren, liegt der Klub laut Deloitte (Stand: Saison 2014/2015) weit hinter den Liga-Konkurrenten FC Arsenal (€ 113,4 Mio.), Manchester United (€ 98,7 Mio.) und Chelsea (€ 80, 6 Mio.). „Wir wollen das, was die Fans sich wünschen: Sportlichen Erfolg“, sagte Liverpools Präsident Tom Werner bei der Eröffnung, „Anfield ist nicht nur unser Spielort, sondern unser Zuhause.“

Im „alten“ Anfield war Liverpool zuletzt verwundbar

Doch im eigenen Zuhause zeigte sich Liverpool in den vergangenen 2 Spielzeiten als allzu großzügiger Gastgeber. Vor der Vollendung des Anfang 2015 begonnenen Stadion-Umbaus gewannen die „Reds“ weniger als 50% ihrer Heimspiele, nur 18 von 38 Partien entschied der Altmeister vor heimischer Kulisse für sich. Im Vizemeister-Jahr 2014 war Anfield mit 16 Siegen bei nur 2 Pleiten noch eine echte Festung.

Mit dem neuen Anfield im Rücken scheint Liverpool auf dem Weg zu alter Heimstärke: 4 Spiele, 3 Siege, nur Manchester United entführte beim 0:0 einen Punkt. Dazu kommt ein 2:1-Heimerfolg gegen Tottenham Hotspur im Ligapokal. Gegen den FC Watford am Sonntag und für den Rest der Sasion soll Anfield wieder der X-Faktor für Liverpool sein.

Anfield
Vom hinteren Teil der neuen Tribüne hat man einen guten Überblick über den Stadtteil Anfield bis zum Stadion des Rivalen FC Everton.
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