FC Bayern vs. RBL: Unendliche Weiten!

FC Bayern vs. RBL: Unendliche Weiten!

Die Frage, ob sich Vizemeister RB Leipzig auch in der neuen Saison zum ärgsten Verfolger des Branchenriesen FC Bayern München aufschwingt, beschäftigt vor dem Start der Bundesliga die Fans in ganz Fußball-Deutschland. Experten sehen den Rekordmeister aus München noch um Längen vor dem Herausforderer aus Leipzig. Doch es gibt auch Aspekte, die die Bayern neidisch zum Cottaweg blicken lassen…

Trainerlegende Ottmar Hitzfeld wiegt seinen Ex-Klub in absoluter Sicherheit. „In naher Zukunft“, sagte der 5-malige Meistercoach des FC Bayern München dem Kicker-Sportmagazin, „wird RB Leipzig dem FC Bayern noch nicht gefährlich werden. Für Ralph Hasenhüttl und seine Mannschaft geht es nun zunächst darum, sich international zu konsolidieren.“ Jupp Heynckes, 2013 Coach beim historischen Bayern-Triple, schlägt in die gleiche Kerbe. „Auf Dauer werden die Leipziger im Bereich der Champions- oder Europa-League-Ränge mitspielen, aber für mich ist Borussia Dortmund immer noch der größte Widersacher des FC Bayern“, erklärte der 72-Jährige Trainer-Veteran.

Quoten

Der Blick auf die Wett-Quoten bei bwin gibt den beiden Trainer-Oldies Recht. Bayern München ist mit einer Quote von 1.14 Top-Favorit auf den Meistertitel – vor Borussia Dortmund (7.50). Leipzig werden mit einer Quote von 18.00 weitaus geringere Chancen auf den ersten Titel im deutschen Profifußball eingeräumt.

Bayern gegen Leipzig also durch Welten getrennt? Der Blick auf verschiedene Bereiche der Vereinsarbeit lässt dies klar vermuten. Doch es gibt auch Punkte, die für Leipzig sprechen.

Klub-Philosophie

„Mia san mia“ gegen sächsisches Understatement! Der FC Bayern München ist der absolute Branchenprimus im deutschen Fußball-Oberhaus und hat zudem den Anspruch, die Bundesliga international zu führen. Die vergangenen 5 Spielzeiten waren zumindest in der Liga eine reine Machtdemonstration des 27-fachen Deutschen Meisters. Die Münchner brachten 2016/2017 am Saisonende 15 Punkte zwischen sich und den Emporkömmling aus dem Fußball-Osten. Die Leipziger sehen sich nicht zuletzt deshalb vom FC Bayern „Lichtjahre entfernt“, wie Geschäftsführer Oliver Mintzlaff es formuliert. Das Motto der Roten Bullen: „Nachhaltig arbeiten und bodenständig bleiben.“ Dazu gehört die fast schon demonstrative Tiefstapelei beim neuen Vizemeister. „Weder Ralf Rangnick noch Dietrich Mateschitz (Milliardenschwerer Investor aus Österreich, d. Red.) oder ich haben den Plan, dass wir 2017/2018 Champions League spielen und 2019/2020 Meister werden müssen.“ Das kann man ungeachtet der geglückten Premiere in der BL sympathisch finden.

Außendarstellung

Mittelfristig wird RBL die Zurückhaltung jedoch ablegen müssen. Sprüche von Rangnick („Ich kann mit Platz 9 oder 10 in der Liga leben, wenn dabei wie bei Leicester City das Viertelfinale in der Champions League herausspringt“) spiegeln nicht wirklich den Anspruch des Vereins wieder. Bei den Bayern demonstrieren Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge und die „Abteilung Attacke“ mit Präsident Uli Hoeneß beinahe seit Jahrzehnten das pure Selbstbewusstsein.

Transfer-Ausgaben

Bayern München investiert traditionell üppig in seinen Luxus-Kader. In den vergangenen 5 Spielzeiten bildete die Saison 2015/2016 den Höhepunkt der bayerischen Transfer-Offensive, mit der Verpflichtung von Stars wie Arturo Vidal oder Douglas Costa. Leipzig pumpte erstmals beim Zweitliga-Aufstieg 2014/2015 einen 2-stelligen Millionenbetrag ins Team. 20,6 Mio. € gab man bei der Premiere im „Unterhaus“ aus. Zum BL-Aufstieg 2016 waren es dann bereits 58 Mio. €. Um die Roten Bullen für die Doppelbelastung Bundesliga-Champions League aufzurüsten, nahm Ralf Rangnick in dieser Saison 37,5 Mio. € in die Hand. Die Bayern durchbrachen in diesem Sommer die Schallmauer von 100,5 Mio. €. Allerdings: Das Transfer-Minus der Münchner seit 2012 liegt bei satten 141 Mio. €. Leipzig machte 98 Mio. € Verluste bei Spielerwechseln.

Gehälter

Die Leipziger sind trotz des Höhenfluges in der letzten Saison ihrer Strategie treu geblieben. „Die Parameter bleiben unverändert“, stellt RB-Sportdirektor Ralf Rangnick klar, „wir holen nur Spieler zwischen 17 und 24 Jahren, die hochbegabt sind und bei uns den nächsten Karriere-Schritt machen wollen.“ Will sagen: Die Neuen müssen auch ins Gehaltsgefüge passen. Hier liegt das Limit bei 4,5 Mio. €, mit Emil Forsberg als Top-Verdiener. Ganz anders der FC Bayern. Die Ausgaben für Spielergehälter sind bei den Münchnern fast 5-mal höher als bei den Leipzigern. Die Säbener Straße ist das Domizil für Superstars. Manuel Neuer, Thomas Müller, Robert Lewandowski und Co. kassieren beim Rekordmeister bis zu 15 Mio. € pro Jahr.

Junioren-Nationalspieler

Die Nachwuchsförderung ist die Domäne von RB Leipzig! Seit 2012 steigerten die Sachsen den Anteil ihrer Junioren-Nationalspieler stetig. Das Nachwuchs-Leistungszentrum am Cottaweg ließ sich RBL 40 Mio. € kosten. Mit Erfolg. Waren es 2012/2013 noch 2 Jung-Bullen, die in der Regionalliga ran durften, so kamen im Premierenjahr in der Bundesliga 24 Junioren-Nationalspieler (125 Einsätze) zum Zug. Bei den Bayern stammt der Höchstwert für U-Nationalspieler auch in der Saison 2016/2017, als 14 Jung-Internationale zum Einsatz kamen. Die Bayern zogen in Sachen Talente-Campus erst im August 2017 nach, investierten 75 Mio. € in ein Zentrum für Jugendspieler sowie in ein eigenes Stadion für 2.500 Zuschauer.

Arjen Robben (m.) erzielt am 13. Mai 2017 in Leipzig das 5:4 für den FC Bayern. Die Münchner waren in der abgelaufenen Saison das einzige Team, das RBL 2-mal bezwang.

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