FA-Cup: Der Aufstand der Kobolde

FA-Cup: Der Aufstand der Kobolde

Die Umschreibung „Faustdicke Überraschung“ reicht in der Wertigkeit schon gar nicht mehr aus, um die Geschehnisse im englischen FA-Cup zu würdigen. Meister Leicester City raus, Manchester City und Pep Guardiola müssen nachsitzen und Lincoln City landet einen Jahrhunderterfolg, der die Fußball-Welt auf der Insel für einen Tag auf den Kopf stellt.

Der 18. Februar 2017 wird nachhaltig in die Geschichte des englischen Sports eingehen. Mit Lincoln City aus der fünftklassigen National League steht erstmals seit 103 Jahren (!) wieder ein Amateurklub aus England im Viertelfinale des FA-Cups. In der Partie beim Premiere League-Aufsteiger FC Burnley (1:0) avancierte Sean Raggett durch seinen Kopfballtreffer in der Schlussphase zum großen Helden.

Lincoln City: Buchmacher zittern vor nächstem Märchen

Selbst Star-Trainer Antonio Conte vom FC Chelsea sendete Glückwünsche („Es ist fantastisch. Ich freue mich, diese Geschichte mit ihnen im Viertelfinale zu erleben.“) an den Klub aus der 90.000 Einwohner-Stadt in der Grafschaft Lincolnshire. Eine derartige Sensation im traditionsreichen Pokalwettbewerb war zuletzt den Queens Park Rangers im Jahr 1914 gelungen. Für die Londoner endeten die Pokalträume dann aber gegen den FC Liverpool (1:2).

Treiben die „Imps“, wie der Klub nach der Legende der Kobolde benannt ist, weiter ihren Schabernack mit den Favoriten? Die Quote für einen Pokaltriumph des Fünftligisten Lincoln City, der zuvor bereits Ipswich Town (2:2/1:0) und Brighton & Hove Albion (3:1) aus der 2. Liga ausgeschaltet hatte, ist schon mächtig gefallen – bwin zahlt aktuell das 151-fache des Einsatzes.

Selbst ein Finaleinzug wäre schon mit dem märchenhaften Titelgewinn von Leicester City gleichzusetzen. Zur Erinnerung: Die Mannschaft von Trainer Claudio Ranieri war vor dem sensationellen Meisterjahr mit einer Quote von 5001.00 in die Saison gestartet. Ein Leicester-Fan verkauft damals seinen Wettschein vorzeitig und kassierte umgerechnet rund € 93.000.

Wagner erzwingt mit Huddersfield Town Wiederholungsspiel

Apropos Leicester City: Für den kriselnden Premier League-Champion hat es sich auch im Pokal ausgefuchst. Trotz Unterzahl machte der Drittligist FC Millwall seinem Ruf als Favoritenschreck im FA-Cup gegen die „Foxes“ (1:0) mal wieder alle Ehre. Wenn das Team von Trainer Neil Harris nach 2004 noch einmal das Endspiel im Wembley-Stadion erreicht, gibt es inzwischen „nur“ noch die Quote 51.00.

Zum Tag der großen Überraschungen im FA-Cup trug am Samstag auch ein deutscher Trainer bei. David Wagner rang mit Huddersfield Town, das in der Football League Championship um den Aufstieg in die Premier League kämpft, Manchester City ein torloses Remis ab. „Gegen ManCity kein Gegentor zu kassieren, macht unsere Brust noch breiter“, sagt der Trauzeuge von Liverpool-Coach Jürgen Klopp mit Blick auf das nun folgende zweite Duell gegen das Team von Pep Guardiola.

X