Europas unbekannte Aufsteiger: AFC Bournemouth & Co.

Europas unbekannte Aufsteiger: AFC Bournemouth & Co.

Der europäische Vereinsfußballs ist in den letzten Jahren immer berechenbarer geworden – falsch! Denn in diesem Jahr gab es bereits einige faustdicke Überraschungen! Gleich fünf Klubs, von denen eigentlich bislang nur absolute Fußball-Nerds etwas gehört haben, schafften erstmals den Sprung in die jeweiligen Eliteligen Europas. Wir stellen Euch die Neulinge in einem kurzen Portrait vor.

GFC Ajaccio (Frankreich): Wo viele Europäer im Sommer in den Urlaub hinfahren, wird in der bevorstehenden Saison wieder Erstliga-Fußball gespielt. Der GFC Ajaccio hat den größten Erfolg der Vereinsgeschichte perfekt gemacht und darf nun die nationalen Größen wie Paris St. Germain und Olympique Lyon auf der Ferieninsel Korsika begrüßen. Beim Abenteuer Ligue 1 vertraut Trainer Thierry Laurey größtenteils seinen Aufstiegsmannen. Im Sommer schlug der Klub, der erstmal höher als Stadtrivale AC Ajaccio kickt, nur fünfmal auf dem Transfermarkt zu. Mit Issiaga Sylla hat auch ein Neuzugang den höchsten Marktwert der GFC-Spieler. Sylla wird auf rund € 1,5 Millionen geschätzt.

Auf Grund der erstmaligen Teilnahme dürfte das Auswärtsspiel beim GFC auf der Liste einiger Fußball-Hopper ganz nach oben gerutscht sein. Ob sie das Stadion in Ajaccio auf Anhieb und ohne Hilfe finden, ist eine ganz andere Sache. Denn die Heimspielstätte der Korsen gleicht eher einer Bezirkssportanlage. Nur 6.000 Zuschauer passen in das Stadion und der Rasen sieht eher aus wie eine Kuhwiese.

Ajaccio
Das Stadion in Ajaccio ist anders als die Mannschaft noch nicht erstliga-tauglich

AFC Bournemouth (England): Der Jubel in Südengland war groß, als im Frühjahr feststand, dass der AFC Bournemouth erstmals in die Premiere League aufgestiegen ist. Gegner wie der FC Watford, der FC Middlesbrough und Norwich City wurden auf die Plätze verwiesen. Möglich ist der Aufstieg geworden, weil die Cherries vor allem in der Rückrunde der vergangenen Championship-Saison überzeugten. 13 Spiele lang kassierte die Mannschaft von Trainer Eddie Howe keine Niederlage, gewann in diesem Zeitraum sogar neun Partien.

Im Vergleich zu den anderen Premier League-Klubs spielt der AFC in einem Schuhkarton. 12.000 Fans finden in dem typisch englischen Stadion der Cherries Platz. Wenn man vor einigen Jahren mit einem Helikopter über den Dean Court hinwegflog, schaute es ein wenig so aus, als ob die Heimspielstätte der Südengländer lediglich drei Tribünen besäße. Denn die eine Hintertortribüne bestand bis 2013 lediglich aus einigen wenigen Stufen – selbstverständlich nicht überdacht. Mit dem letzten Umbau änderte sich dies jedoch und nun stehen auch die Fans auf der vierten Tribüne nicht mehr im Regen.

Mit Sylvain Distin hat Bournemouth vor allem viel Erfahrung verpflichtet. Der mittlerweile 37-Jährige hat 457 Premier League-Partien auf dem Buckel, kickte dabei für den FC Everton, Newcastle United, den FC Portsmouth und Manchester City. Außerdem lieh der AFC Christian Atsu vom FC Chelsea aus. Der 23-jährige Ghanaer gilt als großes Talent, konnte sich bislang aber nirgendwo entscheidend durchsetzen.

Frosinone Calcio (Italien): Der Aufstieg von Frosinone Calcio gleicht einem Fußballwunder. Denn vor zwei Jahren kickten die Jungs aus der Nähe der italienischen Hauptstadt Rom noch in der drittklassigen Serie C. Mit dem Durchmarsch in die Eliteliga dürften sich die Verantwortlichen um Trainer Roberto Stellone ein Denkmal verdient haben. Vor der letzten Spielzeit waren die Provinz-Kicker als Abstiegskandidat Nummer eins ins Rennen gegangen. Besonders ein Österreicher hat einen großen Anteil am Triumphmarsch von Frosinone. Robert Gucher ist Kapitän des Sensationsaufsteigers und kickt bereits seit 2008 für die Italiener. Ein fünfmonatiges Gastspiel beim FC Genua und eine Leihspielzeit beim SV Kapfenberg unterbrechen sein Engagement in Zentral-Italien. Trotz der geringen Größe des Matusa-Stadions (9.000 Zuschauer) veranstalten die Calcio-Fans oft ein großes Spektakel. „Dort verstehst du dein eigenes Wort nicht“, so Gucher gegenüber dem österreichischen Kurier.

Frosinone
Die Fans von Frosinone Calcio

Carpi FC (Italien): Die Bilanz des Carpi FC aus der vergangenen Saison liest sich wie die eines Tabellenachten. Doch mit 59 Treffern und 28 Gegentoren in 42 Partien sammelte der Serie A-Aufsteiger satte 80 Punkte und konnte damit neun Punkte Vorsprung auf Verfolger Frosinone Calcio aufweisen. Konsequenz: Meistertitel in der Serie B und erstmaliger Aufstieg in die italienische Elite-Liga. Die Mannschaft aus dem Norden Italiens wurde in der Sommerpause noch einmal zahlreich verstärkt. Gleich 13 Spieler stießen neu hinzu. Einer von ihnen ist Kamil Wilczek. Der Pole kommt mit einer Visitenkarte von 20 Toren und 3 Vorlagen aus der polnischen Ekstraklasa nach Italien. Torwart Zeljko Brkic, der für ein Jahr von Udinese Calcio ausgeliehen ist, hat mit € 3,2 Millionen laut transfermarkt.de den höchsten Marktwert des Klubs.

Carpi
Die Spieler des Carpi FC feiern den Aufstieg!

FC Ingolstadt (Deutschland): Zu guter Letzt wollen wir natürlich auch nicht den deutschen Bundesliga-Neuling vergessen. Auch die Bayern sind erstmals in der nationalen Elite-Liga vertreten. Beim FCI kam der Sprung in die erste Liga jedoch nicht so plötzlich und unerwartet wie bei seinen „Artgenossen“ aus dem europäischen Ausland. Denn die Schanzer werden seit Jahren vom ortsansässigen Autohersteller Audi gesponsert. Nach fünf Jahren Zweitliga-Fußball dürfen sich die Anhänger der Ingolstädter nun endlich über Bundesliga-Fußball freuen. Möglich gemacht hat das vor allem Cheftrainer Ralph Hasenhüttl. Der 47-jährige Österreicher übernahm den FCI im Oktober 2013, rettete ihn damals vor dem Absturz in Liga 3 und formte anschließend eine Spitzenmannschaft. Auch für ihn wird die Bundesliga eine vollkommen neue Erfahrung sein. Auf dem Transfermarkt haben sich die Bayern zurückgehalten. Mit Elias Kachunga (SC Paderborn), Romain Bregerie (SV Darmstadt 98), Öryan Nieland (Molde FK) und Markus Suttner (Austria Wien) kamen in der Sommer-Transferperiode lediglich vier Neue.

Man sieht also, dass es kleinen Vereinen auch durchaus ohne den Einstieg eines Scheichs oder Oligarchen noch für den Sprung in den bestbezahlten Fußball reicht. Wo in der Vergangenheit oft nur Fahrstuhlvereine á la VfL Bochum oder 1. FC Nürnberg standen, sind nun immer häufiger Klubs vertreten, bei denen der Erstliga-Aufstieg nicht unbedingt eingeplant oder ein Muss war. Der SC Paderborn und die SpVgg Greuther Fürth haben es in den letzten Bundesliga-Jahren vorgemacht. Jetzt müssen die heutigen Neulinge nur daran arbeiten, dass es nicht genauso schnell wieder in die Tiefen der zweiten Liga geht, wie sie daraus hervorgegangen sind.

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