EURO 2016: So sieht die deutsche Wunschgruppe aus!

EURO 2016: So sieht die deutsche Wunschgruppe aus!

Am Samstag werden die 6 Gruppen für die Europameisterschaft im kommenden Sommer in Frankreich ausgelost. Doch was wäre eine wirklich ideale Auslosung? Die schweren Gegner zuerst oder doch erst die leichten Aufgaben? Wer das Glück hat mit Russland und Schweden in eine Gruppe gelost zu werden, steht schon fast auf der sicheren Seite. Ein bestimmtes Szenario sollte dabei allerdings nicht unbedingt eintreten.

Die erste Europameisterschaft fand vor knapp 55 Jahren statt und wurde nur unter 4 Ländern, von denen 3 in dieser Form gar nicht mehr existieren, ausgespielt. Frankreich kann sich neben der Tschechoslowakei, Jugoslawien und dem ersten Sieger Sowjetunion zu den Gründungsmitgliedern der kontinentalen Meisterschaft zählen. Eine Qualifikation gab es damals noch nicht.

Seitdem hat das Turnier 2 tiefgreifende, strukturelle Veränderungen erfahren. Im Jahr 1980 wurde zum ersten Mal eine Gruppenphase mit je 4 Mannschaften in 2 Gruppen eingeführt. Die Gruppenersten trafen im Finale aufeinander. 1996 wurde die Teilnehmerzahl von 8 auf 16 verdoppelt.

Das Jahr 2016 sieht eine weitere Erweiterung von 16 auf 24 Mannschaften vor. Gleichzeitig sind die Franzosen nach 1960 und 1984 zum 3. Mal Gastgeber einer EM. So oft wie kein anderes Land.

In der langen Geschichte der Europameisterschaft haben sich in der Vergangenheit Trends entwickelt, die eine gute von einer schlechten Auslosung unterscheiden, unabhängig davon, ob die Gegner zur Oberklasse der Nationalmannschaften gehören oder nicht.

Wir haben im Folgenden die Zutaten aufgelistet, die für eine gute beziehungsweise schlechte Auslosung sprechen. Bei der Zeremonie am Samstag um 18:00 Uhr können diese Informationen noch Gold wert sein.

  • Zum 3. Mal findet ein EM-Finale in Paris statt.

Vorteil: Zieh einen Debütanten

Mannschaften, die erstmals an einer EM teilnehmen, sind selten erfolgreich. Seit 1996 holten Debütanten in 27 Spielen lediglich 4 Siege. Nur Kroatien schaffte es seit dem in die K.O.-Runde. Geht man bis zur EM 1980 zurück, packten insgesamt nur 3 von 16 Turnier-Neulingen die Vorrunde. Portugal 1984 und Gastgeber Schweden 1992 gesellen sich zu den Kroaten von 1996, die mit Spielern wie Davor Suker, Zvonimir Boban, Robert Prosinecki und Slaven Bilic so manches Ausrufezeichen setzten. Die Quoten der Neulinge Wales (1.45), Island (1.60), Slowakei (1.80), Nordirland (2.20) und Albanien (2.50) auf das Weiterkommen stehen dennoch nicht so schlecht, zumal auch 4 Gruppendritte ins Achtelfinale einziehen.

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Vorteil: Zieh eine skandinavische Mannschaft (aber niemals 2)

Der skandinavische Fußball ist nicht mehr das, was er Anfang der 90er Jahre war. Damals befanden sich bei der EURO 1992 Dänemark und Schweden auf einem Höhenflug, Norwegen qualifizierte sich auf Kosten Englands 1994 für die Weltmeisterschaft. „Danish Dynamite“ vermieste im Finale 1992 der deutschen Nationalmannschaft das zweite historische Double aus WM und EM nach 1972/1974.

Mit dem 3. Platz der Schweden – um den starken Tomas Brolin – bei der Weltmeisterschaft 1994 in den USA war der skandinavische Fußball auf seinem Zenit.

Seit 1996 haben die skandinavischen Länder 9 Mal an einer EM teilgenommen, nur 2 Mal schaffte es ein Team, die Gruppenphase zu überstehen. Kurios: Mit Dänemark und Schweden trafen bei der EM 2004 in Portugal 2 Skandinavier im letzten Gruppenspiel aufeinander. Die Dänen kassierten in der 89. Minute den Ausgleich zum 2:2. Dieses Ergebnis war auch gleichzeitig das einzige Resultat, welches beide Mannschaften den Sprung ins Viertelfinale erlaubte. Italien schied dadurch aus und schnaubte vor Wut.

Vorteil: In einer Gruppe mit Russland und Italien

Wahrscheinlich stehen Russland und Italien bei den Trainern der EM-Teilnehmer nicht unbedingt auf der Wunschliste ganz oben. Sollten sie aber! Keine Mannschaft außer den Russen hat es in einer Vorrundengruppe öfter mit dem späteren Sieger zu tun bekommen. Insgesamt 3 Mal war das der Fall (1996, 2004, 2008).

Die Italiener hatten ebenso wie Schweden, Irland, Dänemark, Griechenland und die Niederlande 2 Mal das Pech, die Vorrunde mit einem formstarken, späteren Europameister zu verbringen (1996, 2012).

Nachteil: Bitte nicht mit den Top-Favoriten …

Die gesetzten Mannschaften aus Topf 1 wie Deutschland, Spanien, England, Portugal, Belgien und Frankreich werfen schon jetzt einen Schatten der Angst auf die restlichen Teilnehmer.

Trotzdem kann ein Aufeinandertreffen mit einem Favoriten in der Vorrunde erfreuliche Nebeneffekte haben. In den Jahren 2000, 2004 und 2012 schieden immer mindestens 2 Schwergewichte in der Gruppenphase aus. In Portugal waren es mit Deutschland, Spanien, Italien und Kroatien gleich 4 Top-Teams. Der Weg für Griechenland war frei.

  • Die besten Bilder der EM 2012

… außer es ist Portugal

Nur die Portugiesen schafften es als einziges Team, bei ihren letzten 5 Teilnahmen die Vorrunde zu überstehen. Ihre Erfolge in den K.O.-Runden sind dafür umso dürftiger. Als bestes Resultat steht das Finale im eigenen Land 2004 gegen Griechenland (0:1) zu Buche.

… oder Deutschland

Da ist es wieder, das Losglück. Die Nationalelf bei 9 EM-Teilnahmen noch nie in der Vorrunde auf den späteren Turniersieger. Immerhin 3 Mal krönten sie sich dabei selbst zum Champion (1972, 1980 und 1996) und sind damit mit Spanien (1964, 2008 und 2012) Rekord-Europameister. Der amtierende Weltmeister konnte es irgendwie bisher immer gut vermeiden, mit dem späteren Sieger die Gruppenphase bestreiten zu müssen. Auch die Ausnahme, mit der Hammergruppe bei der EM 2012 mit den Niederlanden, Portugal und Dänemark, konnte der DFB-Elf nichts anhaben.

Kroatien, England, die Türkei und die Schweiz konnten in der Vorrunde ebenfalls des öfteren dem späteren Sieger aus dem Weg gehen. Allerdings hat das diesen Nationen auch noch keinen einzigen EM-Titel beschert.

Die Rangliste der Europameister

3x Deutschland, Spanien

2x Frankreich

1x Italien, Dänemark, Niederlande, Griechenland, Tschechoslowakei, Sowjetunion

Nachteil: Todesgruppe B

Statistisch gesehen ist die Gruppe B verflucht. Trotz der Tatsache, dass es 1992 nur 2 Gruppen gab, spielte sich seit 1988 kein Team aus dieser Viererkombination zum Titelgewinn. Immerhin schafften es 2 Mannschaften im selben Zeitraum bis ins Finale. Die Azzurri wurden 2000 erst durch das Golden Goal des Franzosen David Trezeguet gestoppt (1:2). Jogi Löw musste bei seinem ersten Turnier als Bundestrainer 2008 in Wien eine bittere Final-Pleite gegen Spanien hinnehmen (0:1).

Außerdem fällt auf, dass 1996, 2004 und 2012 immer 2 Teams im Finale standen, die bereits in der Vorrunde aufeinandertrafen. Der Fall, dass eine Mannschaft dabei den Spieß umdrehte, trat nicht ein.

1996 Deutschland – Tschechien, Vorrunde 2:0, Finale 2:1 n.G.G.

2004 Griechenland – Portugal, Vorrunde 2:1, Finale 1:0

2012 Spanien – Italien, Vorrunde 1:1, Finale 4:0

Fazit

Bekanntlich wird der Manager der deutschen Nationalmannschaft, Oliver Bierhoff, am Samstag die Lose ziehen.Wenn er die Wahl hätte und auf unsere Informationen zurückgreifen würde, dann könnte die Auslosung für die deutsche Nationalmannschaft bei der EURO 2016 wie folgt aussehen.

Wunschgegner aus Topf 2 wäre auf jeden Fall Russland. Die Chancen auf einen Titelgewinn würden sich für die DFB-Elf damit schlagartig erhöhen.

Gemäß unserer Erhebung wäre Schweden aus Topf 3 der Wunschgegner. Zuletzt schaffte ein skandinavisches Team 2004 den Sprung ins Viertelfinale.

Aus Topf 4 wäre uns jeder der 5 Neulinge Island, Wales, Albanien, Nordirland oder die Slowakei recht. Hier gilt es, ein Aufeinandertreffen mit den Türken und den Iren zu verhindern. Die Boys in Green sind uns noch aus der Qualifikation in schlechter Erinnerung. Der Nationalmannschaft gelang in 2 Spielen kein Sieg (1:1, 0:1).

Was die Gruppe angeht, sollte Olli Bierhoff tunlichst vermeiden, den Weltmeister in Gruppe B zu losen. Damit wäre der Traum vom Titelgewinn beziehungsweise vom Double so gut wie ausgeträumt.

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