EM 2016: Das Zeugnis der DFB-Spieler

EM 2016: Das Zeugnis der DFB-Spieler

Nicht schon wieder! Deutschland musste erneut im Halbfinale einer EM die Segel streichen. Nach Italien (1:2) 2012 war es nun Gastgeber Frankreich (0:2), der die DFB-Truppe von Trainer Joachim Löw in der Runde der letzten 4 stoppte. Und das, obwohl die Deutschen in den ersten 45 Minuten vermutlich eine der besten EM-Halbzeiten seit langer Zeit gespielt haben. Trotzdem wurden im Laufe des Turniers und vor allem im Frankreich-Spiel einige Fehler gemacht. Wir auf die 6 deutschen Partien zurückgeblickt und jeden einzelnen Spieler bewertet. Unser EM 2016-Zeugnis:

Manuel Neuer: War gerade in der 1. Begegnung gegen die Ukraine (2:0) der große Rückhalt der DFB-Mannschaft. Gegen Nordirland und die Slowakei stand er sich aus Langeweile die Beine in den Bauch, war beim Elferschießen gegen Italien allerdings wieder voll auf der Höhe und hielt 2 Elfmeter. Auch nach dem 2. Gegentor gegen Frankreich war er der einzige, bei dem man das Gefühl hatte, dass er noch an den Sieg glaubt. Kleiner Kritikpunkt: Beim 0:2 sah er, wie auch 3 seiner Abwehrkollegen, nicht ganz glücklich aus. Note: 2+

Boateng
Der Anfang vom Ende – Botaeng (m.) muss gegen Frankreich verletzt vom Platz

Jerome Boateng: Sein Zweikampfverhalten, seine langen Bälle und seine Präsenz auf dem Platz sind für Bundestrainer Löw einfach nicht zu ersetzen. Von der UEFA wurde der Innenverteidiger des FC Bayern auch zu Recht in die Auswahl der Vorrunde berufen. Seine Auswechslung im Frankreich-Spiel war der letzte Sargnagel für die deutsche Mannschaft. Ohne Boateng war die deutsche Abwehr ein ungeordneter Haufen. Note: 2+

Mats Hummels: Bei ihm gibt es ebenfalls eigentlich nur wenig zu mäkeln. Seine Turnier-Bilanz: 4 Spiele, 1 Gegentor, 3 Siege und 1 Remis. Dass das einzige Gegentor auch noch durch Handelfmeter fiel, sagt eigentlich alles über das schon nahezu perfekte Verständnis zwischen Hummels und Boateng. Sein Fehlen gegen Frankreich war ähnlich spielentscheidend wie die Verletzung von Boateng. Note: 2

Jonas Hector: Für seinen 1. Auftritt bei einem großen Turnier hat der Kölner seine Rolle souverän ausgefüllt. Hatte keinen großen Patzer und bereitete das 1:0 gegen Italien im Viertelfinale klasse vor. Allerdings muss er an seinem Offensivspiel noch enorm arbeiten. Die Flanken kamen zumeist auf Kniehöhe und fanden nur sehr selten seinen Adressaten. Auf den Leistungen lässt sich jedoch aufbauen! Note: 3+

Joshua Kimmich: Hatte sein stärkstes Spiel beim 1:0 über Nordirland. Fühlt sich anscheinend in der Rolle des Rechtsverteidigers wohl. Gegen Italien war er kaum zu sehen, gegen Frankreich hatte er einige Probleme und verschuldete mit einer katastrophalen Ballannahme das vorentscheidende 0:2. Er muss die Position häufiger spielen, dann könnte er für Löw eine dauerhafte Variante als Rechtsverteidiger werden. Note 3+

Benedikt Höwedes: Mal hui, mal pfui. Seine Stärken liegen ganz klar in der Defensive. Als variabler Spieler, der alle Positionen in der Viererkette spielen kann, ist Höwedes unverzichtbar für die Mannschaft. Als Rechtsverteidiger fehlt ihm der Offensivdrang, gegen Griezmann verlor er gefühlt 95% der Zweikampfduelle. Seine beste Aktion im Turnier: Der „Monsterblock“ gegen Giroud in Halbzeit eins. Das war ganz großes Kino. Note: 3

Skhodran Mustafi: Erledigte seine Sache beim 2:0 gegen die Ukraine sehr souverän, erzielte außerdem auch noch den wichtigen Führungstreffer im 1. Spiel. Nach der Hummels-Rückkehr war er bis zur Boateng-Verletzung im Halbfinale außen vor. Vor dem 2:0 agierte er gegen Pogba jedoch wie ein Landesliga-Spieler, ließ sich gnadenlos austanzen. Vermutlich sucht Mustafi noch heute Ball und Gegenspieler. Note: 3

Toni Kroos: Er fehlte bei der EM keine einzige Minute. Seine Passsicherheit ist für das deutsche Team enorm wichtig. Er bestimmt den Spielrhythmus der Mannschaft, sammelte im gesamten jedoch nur einen einzigen Assist (zum 1:0 gegen die Ukraine). Trotzdem ein unverzichtbarer Teil der deutschen Nationalmannschaft. Note: 2

Emre Can: Wurde zum ungünstigsten Zeitpunkt ins eiskalte EM-Wasser geworfen. Dementsprechend zitternd lief Can gegen Frankreich über den Platz. Auf seiner Position im defensiven Mittelfeld war er viel zu selten zu finden, agierte oft zu offensiv. Hatte außerdem in der 2. Halbzeit Glück, dass Schiedsrichter Rizzoli ihn nach einer Schwalbe nicht mit Gelb-Rot vom Platz warf. Bei einer Einsatzzeit von 67 Minuten ist unsere Einschätzung jedoch nur relativ zu betrachten. Note: 4-

Bastian Schweinsteiger: Kam bei der EM 2016 nicht über die Rolle des Ergänzungsspielers hinaus. Seiner Rolle als Kapitän wurde er damit nicht gerecht. Durch eine verletzungsgeplagte Saison kam der 30-Jährige nicht wirklich fit zur Nationalmannschaft. Wie schwer diese Defizite wogen, wurde erst so richtig in der 2. Halbzeit gegen Frankreich deutlich. Nach dem Rückstand war er nicht im Stande, als Führungsspieler seiner Mannschaft neuen Auftrieb zu geben. Sein Handspiel leitete zudem das deutsche Aus ein. Zuvor hatte Schweini jedoch eine ordentliche Leistung abgeliefert. Gegen Italien wurde er früh für den verletzten Khedira eingewechselt, verschoss seinen Elfmeter später jedoch kläglich. Note: 3-

Sami Khedira: Agierte als souveräner Abräumer neben Toni Kroos. Seine Verletzung wog erst im Halbfinale gegen Frankreich schwer, als der nur halb-fitte Schweinsteiger gegen offensivstarke Franzosen über die volle Spielzeit gehen musste. Note : 3+

Götze
Viel mehr Leistung war von Götze bei diesem EM-Turnier leider nicht zu sehen

Mario Götze: Was ist nur aus diesem Riesentalent geworden. Vor 2 Jahren bekam er im WM-Finale von Löw noch die Worte „Zeig, dass du besser bist als Messi“ mit auf den Weg. Davon ist der 23-Jährige jedoch Lichtjahre entfernt. Bei der EM konnte er auf keiner Position überzeugen, geschweige denn eine gefährliche Aktion initiieren. War die größte Enttäuschung in der deutschen Mannschaft. Note 5-

Mesut Özil: Fehlte keine einzige Turnierminute. Auch wenn am Ende nicht der Titel heraussprang, steigerte sich Özil gegenüber der WM in Brasilien deutlich. Ein Tor und ein Assist sind zwar keine außergewöhnlichen Zahlen, allerdings leitete er gegen Nordirland zahlreiche Torchancen ein und war auch gegen Frankreich der Offensivspieler, von dem die meiste Gefahr ausging. Muss nur selbst noch ein wenig mehr Zug zum Tor entwickeln. Note: 2-

Julian Draxler: Ein gutes Spiel reicht eben nicht für die ganz großen Erfolge. Gegen die Slowakei legte Draxler mit einem Tor und einem Assist eine Galavorstellung hin, davor und danach war jedoch sehr wenig von ihm zu sehen. Einziger weiterer Pluspunkt. Seinen Strafstoß im Elfmeterschießen gegen Italien verwandelte er sicher. Note: 4+

Andre Schürrle: Stand insgesamt nur 71 Minuten auf dem Feld und ließ ähnlich wie Götze alles vermissen, was ihn 2014 zum Weltmeister gemacht hat. Damals war Schürrle noch DER Joker von Löw, bei dieser EM wurde er nach kläglichen Leistungen in der Vorrunde in der K.O.-Phase gar nicht mehr berücksichtigt. Note: 5-

Thomas Müller: Die Europameisterschaft ist einfach nicht sein Turnier. Immer bemüht, immer mit vollem Einsatz, allerdings vollkommen glück- und erfolglos agierte Müller bei dieser EM. Auch bei besten Einschussgelegenheiten gegen Nordirland oder Italien versagte er kläglich. Löw muss hoffen, dass Müller in 2 Jahren wieder den WM-Turbo zündet, ansonsten steht dem DFB ein noch größeres Mittelstürmerproblem ins Haus. Note: 5-

Mario Gomez: Was viele vor der EM für einen schlechten Scherz hielten, entpuppte sich zur größten Sturm-Hoffnung der DFB-Truppe. Gomez ist mit seinen beiden Turniertreffern der beste Angreifer der deutschen Mannschaft. Manchmal ein bisschen holzig, zeigte er allerdings hin und wieder auch sein technisches Können. Als Initiator des 1:0 gegen Italien bewies Gomez ein echtes Auge für den mitgelaufenen Hector. Note: 2-

Marc-Andre ter Stegen, Bernd Leno, Jonathan Tah, Julian Weigl, Leroy Sané und Lukas Podolski werden aufgrund keiner oder zu weniger Einsatzminuten nicht bewertet.

Gomez
Waren die Lichtblicke in der deutschen Offensive – Mesut Özil (l.) und Mario Gomez (r.)
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