Ein Plädoyer für Heiko Westermann

Ein Plädoyer für Heiko Westermann

Am 23. Spieltag erkämpfte sich der Hamburger SV gegen Borussia Dortmund ein beachtliches 0:0-Unentschieden. Einer der besten HSV-Spieler auf dem Platz war Heiko Westermann. Im Anschluss an die Partie rechnete dieser mit seinen Kritikern ab. Doch warum eigentlich wird immer so viel auf Westermann herumgehackt?

In einer Presserunde nach dem Spiel brach es aus Heiko Westermann heraus. Zuvor war er im Spiel gegen Dortmund der wohl beste HSV-Akteur, gewann viele Zweikämpfe und klärte das ein oder andere Mal in höchster Not. Trotzdem wurde Westermann nach dem Spiel wieder mit negativer Kritik konfrontiert, die er dann folgendermaßen konterte: „Ich habe jetzt auf sechs Positionen in fünf Spielen gespielt. Die Diskussionen um mich sind in den vergangenen Wochen wieder aufgekommen. Die Kritiker und Idioten, die meinen, den Fußball erfunden zu haben, können mich mal am Arsch lecken.“

Einmal in Fahrt, legte Westermann nach: „Ich habe immer den Arsch hingehalten auf dem Platz. Wer es besser kann, soll zu mir kommen und es mir sagen. Ich lasse mir von solchen Idioten nicht den Namen kaputtmachen.“ Und in der Tat: Westermann ist ein gestandener Bundesligaspieler, ehemaliger Nationalspieler und ist immer einer der Ersten, die in der Kritik stehen, wenn es in der Mannschaft des HSV nicht läuft.

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Westermann machte gegen den BVB und Reus ein starkes Spiel.

Heiko Westermann hat 285 Bundesliga-Spiele für den HSV und Schalke auf dem Buckel (29 Tore), dazu 162 Zweitliga-Spiele für Bielefeld und Fürth. 27 Mal trug er das Trikot der deutschen Nationalmannschaft, erzielte für das DFB-Team vier Tore. So schlecht, wie seine Außendarstellung bei Fans und Medien manchmal ist, kann Westermann also nicht sein. Trainer wie Jogi Löw, Mirko Slomka, Felix Magath, Fred Rutten, Armin Veh, Thorsten Fink oder Bert van Marwijk können nicht irren – unter all diesen Trainern war Westermann nämlich Stammspieler. Beim Hamburger SV war Westermann Kapitän, gehörte lange Zeit dem Mannschaftsrat an und hielt den Bundesliga-Dino mit einem wichtigen Tor zum 2:1-Sieg über Leverkusen am 29. Spieltag im Kampf um den Nichtabstieg. Es war der letzte Sieg für den HSV in der vergangenen Saison. Ohne sein Tor und die drei Punkte hätte es der HSV nicht in die Relegation geschafft.

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Westermanns letzter DFB-Einsatz war am 19.11.13 im Testspiel gegen England.

Heiko Westermann ist kein Filigrantechniker. Seine Spielweise wirkt zuweilen hölzern und abgehackt. Er hat nicht die Technik wie Mats Hummels und auch nicht die Grundschnelligkeit eines Jerome Boateng. Und doch ist Westermann ein verlässlicher Abwehrspieler, der seinen Job erledigt. Er ist stark gegen den Mann und erobert viele Bälle. Zudem ist Westermann beidfüßig und verfügt über ein gutes Kopfballspiel. Eine große Stärke ist seine Flexibilität. Er kann so gut wie jede Position in der Abwehr spielen. Auch im defensiven Mittelfeld hat er schon ausgeholfen. Seine Zweikampfquote liegt in dieser Saison bei 56 % – sicherlich nicht sein bester Wert in all den Jahren Bundesliga. Doch seine Passstatistik ist dafür sehr stark: 76,8 % seiner Pässe kamen zum Mitspieler.

Und was ebenso zu beachten ist: Heiko Westermann stellt sich immer der Presse und den Fans. Egal wie schlecht der HSV mal wieder gespielt hat, Westermann steht Rede und Antwort. Und er ist selbstkritisch genug, sich eigene Fehler und Unzulänglichkeiten schonungslos einzugestehen. Die Wutrede von Westermann ist nur verständlich, wenn man von allen Seiten immer nur auf den Deckel bekommt, obwohl noch 10 andere Spieler auf dem Platz stehen. Sein Spiel ist bei weitem nicht fehlerfrei, doch mangelnde Einsatzbereitschaft und Identifikation kann man ihm nicht vorwerfen. Kritik ist nach schlechten Leistungen angebracht, aber Spott und Häme hat Heiko Westermann nicht verdient.

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