Donnarumma: Poker um Milans Torwart-Juwel

Donnarumma: Poker um Milans Torwart-Juwel

Er gilt als Italiens größtes Torwart-Versprechen seit Gianluigi Buffon: „Gigio“ Donnarumma vom AC Mailand. Der gerade mal 18 Jahre alte Schlussmann verleiht Milans Defensive neue Stabilität, während der Kampf um seine Dienste durch den im Sommer 2018 auslaufendem Vertrag bereits in vollem Gange ist…

Diese Frage konnte Mino Raiola nur rhetorisch gemeint haben. „Gibt es irgendjemanden, der Donnarumma kritisieren kann?“, wollte der schwergewichtige Berater des erst 18 Jahre alten Torhüters des AC Mailand über die italienische Fußballbibel Gazzetta dello Sport wissen.

Ein Typ wie Buffon

Wohl kaum! Gianluigi Donnarumma bringt alles mit, um seinen Namensvetter, die lebende Torwartlegende Gianluigi Buffon von Juventus Turin, in naher Zukunft abzulösen. Stark im Herauslaufen, mit wuchtiger Faustabwehr, blieb Donnarumma in 58 Serie-A-Spielen 20-mal ohne Gegentor. Der Schlussmann dirigiert mit 29 Gegentreffern in 26 Partien eine der 5 stärksten Defensivreihen der Liga. Donnarumma absolvierte bislang alle Serie-A-Begegnungen in dieser Saison für die Mailänder und nährt die Hoffnung der Fans, nach Enrico Albertosi, Sebastiano Rossi oder Christian Abbiati endlich wieder einen Torwart-Riesen im Verein zu haben.

Doch Donnarummas Leistungen haben Begehrlichkeiten geweckt. Seinen Marktwert beziffert das Portal Transfermarkt.de jetzt schon mit € 20 Mio. Bis 30. Juni 2018 steht der 1,96 m große Torwart-Hüne noch in Mailand unter Vertrag.

Das Pokerspiel hat sein prominenter Berater Raiola in diesen Tagen eröffnet. „Wir werden das regeln und wenn er gehen will, wird er das sagen“, kündigte Raiola an. „Milan wird den Preis nennen, aber es ist normal, dass andere Vereine einen solchen Spieler haben wollen.“ Der in den Niederlanden aufgewachsene italienische Spielervermittler gehört zu den unbequemsten Vertretern der Branche. Zu seinen Klienten gehören außer Donnarumma auch das Manchester United-Trio mit dem exzentrischen Schweden Zlatan Ibrahimovic, Transfer-Weltrekordler Paul Pogba und dem Ex-Dortmunder Henrikh Mkhitaryan. Auch Mario Balotelli vom OGC Nizza, Romelu Lukaku vom FC Everton oder Blaise Matuidi (PSG) arbeiten mit Raiola.

Zu dessen bevorzugten Strategien gehört es, Transfergerüchte – nicht nur in Italien – über seine Schützlinge geschickt in den Medien zu lancieren und so den Preis in die Höhe zu treiben. Mit dieser Taktik hatte er bei der Vermittlung von Pogba und Mkhitaryan im letzten Sommer nachhaltigen Erfolg. Raiola kassierte geschätzte € 30 Mio. an Provisionen für die Transfers von Pogba und Mkhitaryan.

Nun also Donnarumma. Für den Keeper sollen sich, glaubt man Raiola, neben Juventus Turin auch Real Madrid und Manchester United interessieren. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, hat Raiola beim englischen Rekordmeister doch schon letzte Saison 3 seiner Stars untergebracht…

Um nun das Torwart-Juwel anzupreisen, gehören – wie im Vorjahr – Geheimniskrämerei und Spitzen gegen den Noch-Arbeitgeber bei Raiola zum Programm. „Ob er bei Milan bleibt? Ich habe nichts vom Verein gehört“, gab Raiola den Ahnungslosen, „der Junge geht seinen Weg und ich meinen.“

„Donnarumma gehört in ein Top-Team“

Donnarummas Weg führte ihn am 1. September 2016 – nicht mal 1 Jahr nach seinem erfolgreichen Serie-A-Debüt gegen US Sassuolo (2:1) – in die italienische Nationalmannschaft. Für die Squadra Azzurra stand Donnarumma seitdem 2-mal zwischen den Pfosten.

Sein trickreicher Mentor Raiola stellt klar: „Wir werden seinen Vertag in Mailand nicht auslaufen lassen.“ Von Gefühlsduselei für den 18-fachen italienischen Meister will sich Raiola dabei nicht leiten lassen: „Verdient Donnarumma ein tolles Milan? Nein, er verdient ein tolles Team. Ich bin mit niemandem verheiratet. Es ist nicht mein Job, Fan von einem Team zu sein.“ Das klingt nicht nach schneller Einigung.

Milans Prominenz, Silvio Berlusconi (l.). Adriano Galliani (2. v. l.) kennen die Tricks von Berater Mino Raiola (r.) nur allzu gut. Mitte: Zlatan Ibrahimovic.
Milans Macher um Silvio Berlusconi (l.) und Adriano Galliani (2. v. l.) kennen die Tricks von Berater Mino Raiola (r., neben Zlatan Ibrahimoic) nur allzu gut.
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