Der Trainer-Effekt: Alles andere als ein Mythos

Der Trainer-Effekt: Alles andere als ein Mythos

Der Fußball wird immer schnelllebiger. Dass Trainer nach 3 Niederlagen in Folge bereits in Frage gestellt werden, ist längst keine Seltenheit mehr. Auch im Saisonendspurt wird häufig noch einmal der Trainer gewechselt, um vor den entscheidenden Wochen noch einmal neue Impulse zu setzen.

Der berühmt-berüchtigte Trainer-Effekt soll bei etlichen Vereinen die Krise beenden und für die sportliche Wende sorgen. Aber gibt es ihn wirklich? Wir sagen: Ja! Ein Trainerwechsel kann durchaus eine belebende Wirkung auf die Mannschaft haben. Vor allem, wenn es darum geht, in noch wenigen ausstehenden Spielen doch noch den Klassenverbleib zu sichern, das internationale Geschäft zu erreichen oder das Ziel Aufstieg zu realisieren.

Hannover will mit Breitenreiter zurück in die Bundesliga

Ein aktuelles Beispiel ist Zweitligist Hannover 96. Obwohl sich die 96er mitten im Aufstiegsrennen befanden und der Rückstand auf Platz 2 gerade einmal 3 Zähler betrug, trennte sich der Verein von Cheftrainer und Vereinslegende Daniel Stendel. Der ehemalige Schalke-Coach Andre Breitenreiter übernahm und arbeitet jetzt – wie schon bei S04 – mit Sportdirektor Horst Heldt zusammen.

Breitenreiters bisherige Bilanz kann sich sehen lassen. Aus 3 Spielen holte der 43-jährige Fußball-Lehrer 7 von 9 möglichen Punkten (3:0 Tore). Bei seinem Debüt hatte sich Hannover gegen den direkten Konkurrenten 1. FC Union Berlin 2:0 durchgesetzt.

In Aue und Bielefeld läuft es wieder

Auch im unteren Tabellendrittel profitierten zwei Teams bisher enorm vom Trainerwechsel. Vor allem beim FC Erzgebirge Aue läuft es seit der Entlassung von Pavel Dotchev und der Verpflichtung des vorherigen Hoffenheimer U 19-Trainers Domenico Tedesco überragend.

Unter der Regie des erst 31-jährigen Coaches, der seine Ausbildung zum Fußball-Lehrer im letzten Jahr unter anderem zusammen mit Julian Nagelsmann absolviert hatte, holten die Veilchen 13 von 15 möglichen Punkten und kletterten vom letzten Tabellenplatz auf einen Nichtabstiegsrang. Zum Vergleich: In den vorherigen 23 Saisonpartien erspielte sich Aue gerade einmal 19 Zähler.

Bei Arminia Bielefeld hat der bereits 2. Trainerwechsel in dieser Saison ebenfalls Wirkung gezeigt. Nachdem Jürgen Kramny nach der kurzen Amtszeit von Rüdiger Rehm (11 Spiele) das Ruder nicht herumreißen konnte und nach nur 14 Begegnungen seinen Posten verlor, setzt die Arminia derzeit auf den Luxemburger Jeff Saibene.

Erster Auswärtssieg im 14. Anlauf

Mit Saibene, der zuvor den FC Thun in der Schweiz trainierte, ist Bielefeld noch ohne Niederlage (2 Siege, ein Remis). Zuletzt gewannen die Ostwestfalen das erste Auswärtsspiel in dieser Saison. Beim SV Sandhausen gab es einen 3:1-Erfolg. Aus den 13 vorherigen Begegnungen vor fremder Kulisse holte die Arminia nur 4 Punkte (4 Unentschieden, 9 Niederlagen). In der Tabelle steht jetzt Relegationsplatz 16 zu Buche. Der Rückstand auf Aue beträgt 2 Zähler.

Trainerwechsel hilft nicht immer

Das Beispiel Bielefeld zeigt aber auch, dass man mit einem Trainerwechsel manchmal überhaupt keinen Effekt erzielt. Kramny (Punkteschnitt 1,07) war in seinen 14 Partien ähnlich erfolglos wie Rehm (0,73). Auch Tayfun Korkut vom Bundesligisten Bayer 04 Leverkusen konnte seine Kritiker noch nicht von sich überzeugen. Ein Punkteschnitt von 1,00 nach 6 Partien ist alles andere als gut.

Eine Veränderung auf der Trainerposition ist nun einmal nicht gleichbedeutend mit plötzlichem Erfolg. Das war es noch nie und wird es auch nie werden. Wenn es nicht rund läuft, bleibt den Vereinen aber häufig keine andere Möglichkeit, als den Trainer dafür verantwortlich zu machen. Die Mannschaft komplett auszuwechseln, geht schlecht. Auch, wenn das manchmal wohl mehr Sinn ergeben würde…

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