Daum in Rumänien: Weltmeisterlich waren nur die Pressekonferenzen

Daum in Rumänien: Weltmeisterlich waren nur die Pressekonferenzen

Der ohnehin nur noch vage Traum von der WM-Teilnahme 2018 mit Rumänien hat sich für Christoph Daum (63) am Montagabend mit dem 0:1 in Montenegro erledigt. Der deutsche Coach steht beim rumänischen Nationalverband vor dem Aus. Sportlich liest sich Daums Bilanz miserabel. Rhetorisch hatte sie einige Highlights zu bieten…

Das mühsame 1:0 gegen Armenien in der WM-Qualifikationsgruppe E konnte die rumänischen Fans im Nationalstadion von Bukarest nicht zufriedenstellen. Trotz des 1:0-Siegtreffers von Bundesligaprofi Alexandru Maxim in der Nachspielzeit forderten sie nach dem Schlusspfiff lautstark den Rauswurf von Trainer Christoph Daum.

Der deutsche Coach der Rumänen, erst seit dem 7. Juli 2016 im Amt, gab anschließend den Ahnungslosen. „Ich habe die Zuschauer gehört, aber ich habe nicht verstanden, was sie forderten“, erklärte Daum anschließend. Was sie wollen, ist im rumänischen Fußball seit Monaten ein offenes Geheimnis.

Spieler sprechen von „Quälerei“

Dem 63-Jährigen wird eine zu große Nähe zum mächtigen Verbandspräsidenten Razvan Burleanu nachgesagt. Sportlich gesehen hat Daum sein Ziel, den Viertelfinalisten von 1994 zur WM nach Russland zu führen, um Längen verpasst. Das 0:1 am Montagabend besiegelte Rumäniens WM-Aus. 2 Pflichtspielsiege und 9 Punkte aus 8 Spielen sind keine Bilanz, die Daum selbst oder die verwöhnten Fans der Balkan-Kicker zufriedenstellen könnten. Auch die Spieler wurden mit Daum und seinem ständigen Systemwechsel von 4-2-3-1 auf 4-1-4-1 nie warm. „Wir quälen uns in jedem Spiel“, gestand Kapitän Vlad Chiriches vom SSC Neapel nach dem mühsamen 1:0 gegen Armenien, „es wird Zeit, dass der Verband analysiert und eine Entscheidung trifft.“

Daum in Rumänien: Eine ,,Mission Impossible“!

Die kann eigentlich nur lauten: Daumen runter für den deutschen Coach. Christoph Daum beging in Bukarest einen schweren Fehler. Er legte sich – wortgewaltig wie in besten Bundesliga-Zeiten in Köln, Leverkusen oder Stuttgart – mit der mächtigen rumänischen Presse an. „Sie verbreiten Lügen“, schimpfte er im Juni vor dem prestigeträchtigen 3:2-Erfolg gegen Südamerika-Meister Chile, „ich habe das Gefühl, dass ich mehr Rumäne bin als Sie!“ Daums Pressekonferenz in gebrochenem Englisch – in der Wutreden-Tabelle dürfte sie hinter Giovanni Trapattonis „Ich habe fertig“ und Thomas Dolls „Da lach ich mir doch den Arsch ab“ eine Spitzenposition belegen.

Wut-Rede Marke Trapattoni

„Manchmal kommt eine Kugel von der einen Seite, manchmal ein Messer von der anderen Seite“, sah sich der Bundesliga-Meistertrainer von 1992 in Rumänien auf verlorenem Posten. Leider waren die Pressekonferenzen mit Daum – auch vor dem Spiel gegen Armenien gab es Keile für die Journalisten – in Rumänien das einzig Weltmeisterliche des Ende 2000 über einen Kokain-Skandal gestürzten Fast-Bundestrainers.

„Es gibt absolut nichts mehr zu sagen. Enttäuschung ist das Wort, das diese Situation definiert“, ließ Verbandschef Burleanu gegenüber der rumänischen Nachrichtenagentur Mediafax die Zukunft von Daum am Dienstag (noch) offen, „wir hatten hohe Ansprüche, sonst hätten wir Christoph Daum nicht nach Rumänien gebracht.“ An diesem Anspruch ist Daum wohl gescheitert…

Das 5:0 am 8. Oktober 2016 in Erewan gegen Armenien war praktisch das einzige Highlight für Rumänien unter der Regie von Christoph Daum… 

X