Das plant Heiko Herrlich in Leverkusen

Das plant Heiko Herrlich in Leverkusen

Platz 12 in der Abschlusstabelle bedeutete für Bayer Leverkusen im letzten Jahr in der Bundesliga eine Saison zum Vergessen. Mit Heiko Herrlich kommt nun ein neuer Coach an den Rhein, der den Klub aus seiner eigenen Zeit als Profi kennt. Sein primäres Ziel: Unter dem Bayer-Kreuz soll wieder Fußball mit Leidenschaft gespielt werden.

Heiko Herrlich versuchte es in seinem letzten Interview vor dem Urlaub mit einer Anleihe bei John F. Kennedy. „Die Frage muss nicht lauten, was kann der Verein mir geben, sondern was kann ich dem Verein geben?“, griff der neue Trainer von Bayer Leverkusen mit Blick auf die Personalie Stefan Kießling auf ein berühmtes Zitat des 35. Präsidenten der Vereinigten Staaten („Frage nicht, was dein Land für dich tun kann. Frage, was du für dein Land tun kannst.“) zurück.

Herrlich rechnet mit Bayer-Legende Kießling

Herrlich weiter: „Stefan Kießling ist genau der Spieler, der so etwas lebt – ich gehe davon aus, dass er weitermacht.“ Der zweitbeste Torschütze in Leverkusens Bundesliga-Historie hatte zuletzt laut über sein Karriere-Ende nachgedacht.

Ob Kießling beim Trainingsauftakt am 3. Juli mit dabei ist, bleibt fraglich. Sicher erscheint jedoch, dass mit Heiko Herrlichs Ankunft eine ganz neue Philosophie in der BayArena Einzug halten wird.

Für Herrlich steht der Teamgedanke über allem

Für den ehemaligen Bayer-Profi (6 Tore in 75 BL-Spielen / 1989 bis 1992) wird die Uhr in Leverkusen dabei auf 0 gestellt. Der enttäuschende 12. Platz im Vorjahr, das peinliche Pokal-Aus gegen Lotte aus der 3. Liga, 5 verschossene Elfer (Liga-Höchstwert) sollen von der 1. Trainingseinheit an vergessen sein. „Wenn es losgeht“, so Herrlich in einem Gespräch mit dem Kicker-Sportmagazin (Donnerstags-Ausgabe), „braucht man gute Leistungen und Punkte. Da ist es egal, was vorher war.“

Um den nach der Hinrunde von Platz 8 auf Rang 15 in der Rückrunden-Tabelle abgestürzten Werksklub wieder aufzubauen, setzt Herrlich vor allem auf Mannschaftsgeist. Er weiß: „Natürlich sind alle Spieler Egoisten, aber sie müssen auch verstehen, dass sie ihre egoistischen Ziele besser erreichen, wenn sie sich in den Dienst der Mannschaft stellen.“ Klingt irgendwie logisch…

Bayer 04: Raus aus der Komfortzone

Dass die von ihm betreuten Teams vor allem über das Kollektiv kommen, hat Herrlich zuletzt mit Zweitliga-Aufsteiger Jahn Regensburg gezeigt. Diesen Teamgedanken will der CL-Sieger von 1997 (mit Borussia Dortmund) auch in Leverkusen leben. Herrlich will die Profis von Bayer 04 auch „aus der Komfortzone herausholen“. Nach zuletzt 4 Spielzeiten in Folge in den CL-Rängen hatte es sich der UEFA-Cup-Sieger von 1988 im Schatten der Titelanwärter FC Bayern und BVB bequem gemacht.

Geht es nach Herrlich, so ist Schluss mit den an Beamtenfußball erinnernden Darbietungen, die die Fans u. a. beim 1:4 gegen Schalke 04 auf die Barrikaden trieben. „Wir wollen leidenschaftlich spielen, defensiv wie offensiv“, erklärt der ehemalige Nationalspieler und DFB-Juniorentrainer, „die Leute sollen eine Mannschaft sehen, die gemeinsam verteidigt und natürlich wollen wir auch attackieren – aber nicht permanent.“ Dabei könnten die Neuzugänge Dominik Kohr vom FC Augsburg im zentralen Mittelfeld oder der nach Leih-Ende aus Mainz zurückkehrende Ramalho eine wichtige Rolle spielen.

Mit einem 4-2-3-1 wie in Regensburg, aber auch mit 2 echten Stürmern will Heiko Herrlich die Riesen-Aufgabe bei Bayer angehen. Mit Blick auf die ausbaufähige Chancenverwertung – die Bayer-Elf benötigte pro Treffer 5,74 Torschüsse – sagt der neue Coach: „Wir müssen wieder die Mentalität reinkriegen, die Ulf Kirsten hier hatte, der aus wenigen Chancen viele Tore gemacht hat.“

Heiko Herrlich führte Jahn Regensburg zurück in die 2. Bundesliga.

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