Das Jammern des Ciro Immobile

Das Jammern des Ciro Immobile

Seit wenigen Tagen ist der Wechsel von Ciro Immobile zum FC Sevilla perfekt. Zwar ist der Stürmer vorerst nur für eine Saison nach Spanien ausgeliehen, eine Rückkehr zum BVB wird es aber ziemlich sicher nicht geben. Vor allem der Italiener ist froh darüber nicht wieder der „Unmenschlichkeit“ des Ruhrgebiets ausgesetzt zu sein.

Er wird als eines der größten Transfer-Missverständnisse des BVB in die Geschichte eingehen: Ciro Immobile. Stolze € 19,5 Millionen ließen sich die Borussen die Dienste des italienischen Nationalspielers kosten. Dementsprechend hoch waren die Erwartungen – erfüllen konnte sie der 25-Jährige zu keinem Zeitpunkt. Lediglich drei Bundesliga-Tore erzielte Immobile im schwarzgelben Trikot, weitere werden nicht hinzukommen. Seit letzter Woche ist der Italiener nämlich Spieler des FC Sevilla – und klagt von dort aus sein Leid, wie schwierig es für ihn doch im Ruhrgebiet gewesen sei.

„Ich konnte in Dortmund mit niemandem reden“, prangert der Stürmer die für alle offensichtlichen Kommunikationsprobleme mit seinen Mitspielern und den Verantwortlichen an. „In Asien (BVB Werbe-Tour, a. d. R.) konnte ich mit keinem reden. Letzte Saison hatte ich immer einen Übersetzer dabei, wenn ich mit dem Trainer gesprochen habe. Der neue Trainer wollte nicht, dass ich einen Übersetzer habe.“ Und weiter: „Deutsch ist eine sehr schwierige Sprache. Ich habe ein bisschen Italienisch mit Aubameyang und Sokratis geredet, aber es ist sehr kompliziert, nur mit zwei, drei Spielern sprechen zu können.“

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Ciro Immobile wurde in Dortmund nicht glücklich.

Aber war die Sprachbarriere nicht im Vorhinein bekannt? Warum hat sich Immobile nicht auf Englisch verständigt, der Sprache, der fast jeder mächtig ist? Warum haben Spieler wie Sokratis, Aubameyang oder Mkhitaryan nicht diese immensen Verständigungsprobleme? Von anderen Italienern, wie Luca Toni, Giulio Donati oder Luca Caldirola, die in der Bundesliga spielten oder spielen, sind solche Probleme nicht bekannt. Allein das Bemühen von Immobile, in einem Jahr ein wenig Deutsch zu lernen, war nicht erkennbar. Wenn der Wille zur Integration fehlt, kann diese nicht gelingen. Er hätte es auch so halten können wie einst Theofanis Gekas. Der Grieche weigerte sich beharrlich, die Deutsche Sprache zu lernen, sagte dazu immer nur: „Ich werde für das Toreschießen bezahlt, nicht für das Reden.“ Doch bekanntlich klappte das mit dem Toreschießen beim Italiener ebenso nicht.

Als junger Spieler in ein fremdes Land zu kommen, die Sprache nicht zu sprechen und ein neues Umfeld kennenzulernen – natürlich ist das nicht einfach. Aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Immobile war sich der Konsequenzen eines Auslandswechsels bewusst. Für ein Nettogehalt von € 2 Millionen wird auch eine Gegenleistung verlangt – und sei es nur der Wille und die Bereitschaft, sich der Gemeinschaft anzupassen. Das so ein Transfer auch mal schief gehen kann, kommt vor. Doch jetzt, wie Immobile getan, nach einem vollzogenen Wechsel nachzutreten und das Opfer zu spielen, hat einen schlechten Stil.

Es wird interessant sein zu sehen, wie der Italiener sich nun in Spanien schlägt. Bekanntlich wird auch dort kein Italienisch gesprochen. Es ist Ciro Immobile nur zu wünschen, dass seine neuen Mannschaftskameraden ihn möglichst bald einmal zum Essen zu sich nach Hause einladen. Ansonsten endet die Beziehung zwischen Immobile und dem FC Sevilla genau wie die zum BVB – in einem Missverständnis.

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