Daniel Didavi: Wenn der Körper streikt

Daniel Didavi: Wenn der Körper streikt

Die nächste Hiobsbotschaft für den VfB Stuttgart: Mittelfeldspieler Daniel Didavi wird in dieser Saison kein Spiel mehr für die Schwaben bestreiten. Nach einer Überlastungsreaktion und einer Reizung im Knie in Folge eines Knorpelschadens dauert die Reha länger als erwartet. Findet Didavi nach seinen Verletzungen jemals wieder zu alter Form zurück?

Am 16. Mai 2012 wurde bei Daniel Didavi ein Knorpelschaden im Knie diagnostiziert. Es war die erste große Verletzung des damaligen Juniorennationalspielers und gleichzeitig der Anfang einer großen Leidensgeschichte. Vor dieser Verletzung hatte Didavi höchstens mal fußballtypische Verletzungen wie einen Bänder- oder Muskelfaserriss, wobei die Ausfalldauer nie länger als sechs Wochen betrug. Seit der Diagnose Knorpelschaden aber zieht der 25-Jährige das Pech förmlich an. Didavi war auf dem besten Weg zu einem Shootingstar des deutschen Fußballs.

Der im Baden-Württembergischen Nürtingen geborene Sohn eines Beniners durchlief die gesamten Jugendmannschaften des VfB Stuttgart. Sein Profi-Debüt gab er mit 18 Jahren im August 2008 in der 3. Liga beim VfB Stuttgart II. In seinem ersten Einsatz erzielte er direkt zwei Tore und bereitete ein weiteres Tor vor. Nachdem er in der Saison 2010/11 sein Pflichtspieldebüt für die Profis feierte, wurde er zur Saison 2011/12 nach Nürnberg verliehen. Und in der zweiten Liga blühte er auf und absolvierte 25 Spiele für den Club, in denen er neun Tore erzielte und drei Assists gab.

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Didavi spielte in Nürnberg eine starke Saison und durfte neun eigene Treffer bejubeln.

Seine Rückkehr zum VfB stand bereits fest, als die Diagnose Knorpelschaden Didavi die gesamte Vorbereitung zur neuen Saison kostete und zu insgesamt 182 Ausfalltagen führte. Nach seiner Genesung im November 2012 absolvierte er drei Kurzeinsätze für Stuttgart, bevor die nächste schwere Verletzung zuschlug. Ein Knochenödem musste entfernt werden – ein weiteres Jahr Pause. Der nächste große Rückschlag für den jungen Mann. Sein Comeback gab er nach über 390 Tagen Bundesliga-Abstinenz gegen Borussia Dortmund Ende März 2014. Die Saison konnte er unbeschwert zu Ende spielen. In sechs Spielen von Beginn an erzielte er ein Tor.

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Didavi zeigte bei seinem Comeback gegen den BVB vollen Körpereinsatz.

In dieser Saison wollte Didavi endlich durchstarten, doch wiederum verhinderten Verletzungen wie eine Oberschenkelzerrung, ein Muskelbündelriss, Probleme mit dem Oberschenkel sowie mit dem operierten Knie mehr als sechs Einsätze. Nachdem jetzt sein Saisonaus bestätigt wurde, machen Gerüchte um ein Karriereende die Runde. Kann ein Spieler mit 25 Jahren, der seit seinem Bundesligadebüt eine gesamte Ausfallzeit von 896 Tagen hatte und 158 Pflichtspiele seines Vereins verpasst hat, überhaupt jemals wieder konstant auf dem Platz stehen?

Beim VfB jedenfalls denkt man nicht an ein vorzeitiges Karriereende. „Daran verschwenden wir noch überhaupt keinen Gedanken“, sagt Didavis Berater Karl-Heinz Förster. Auch Sportdirektor Dutt glaubt weiterhin an eine Rückkehr: „Es ist nicht so, wie wir uns das vorgestellt haben, aber er trainiert weiter in der Reha-Welt.“ Dabei könnte der VfB die Qualitäten von Didavi im Abstiegskampf gut gebrauchen. Ein fitter Didavi stand in dieser Saison in jedem Spiel in der Startelf. Sein unbändiger Wille, sein großes Kämpferherz, seine Ruhe am Ball gepaart mit guter Übersicht sowie seine Dynamik und seine guten Abschlussqualitäten würden dem VfB sehr gut zu Gesicht stehen. Ob er seine Qualitäten dann in der neuen Saison für Stuttgart in der 2. Bundesliga zeigen kann und ob er nach seiner Leidenszeit wieder zu alter Form zurückfindet, werden die nächsten Wochen und Monate zeigen.

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