Confed Cup 2005: Der zarte Beginn des Sommermärchens

Confed Cup 2005: Der zarte Beginn des Sommermärchens

Von einer Kritik am Confed Cup, wie sie es in diesem Jahr aus den Reihen einiger deutscher Funktionäre gibt, war vor 12 Jahren nichts zu spüren. Bundestrainer Jürgen Klinsmann war jede Möglichkeit willkommen, seine junge Mannschaft auf das große Projekt WM 2006 einzuschwören und einzuspielen. Was konnte es dabei Besseres geben, als ein Turnier im eigenen Land?

Die Situation der Nationalmannschaft vor 12 Jahren stellte sich im Vergleich zu heute als komplett anders da. Der DFB hatte die Talsohle mit den missratenen EM Turnieren 2000 und 2004 und fehlendem Nachwuchs größtenteils durchschritten und ging mit der jüngsten Mannschaft des Turniers ins Rennen – 24,4 Jahre. Der Confed Cup war für alle die große Gelegenheit, sich für die Heim-WM 2006 ins Rampenlicht zu spielen.

Offensivfeuerwerk

Was nur noch wenige auf dem Schirm haben: Auch Kicker wie Thomas Brdaric, Marco Engelhardt, Christian Schulz, Patrick Owomoyela und Sebastian Deisler waren noch dabei, fanden aber ein Jahr später aus verschiedenen Gründen keine Berücksichtigung mehr. Am Ende brachte die offiziell 5. Ausgabe des Wettbewerbs trotzdem sportlich fast ausschließlich Gewinner hervor. Ausgerechnet die Protagonisten von 2006 drückten dem Turnier ihren Stempel auf und ließen schon ein Jahr im Voraus ein spielerisches Sommermärchen erahnen. Vor allem Lukas Podolski, Bastian Schweinsteiger und Per Mertesacker brachten mit ihrer juvenilen Unbekümmertheit die Lockerheit zurück.

Mit durchschnittlich 3,5 Toren pro Spiel hatten auch die Fans in den gut gefüllten Stadien (Auslastung 85%) erheblichen Spaß. Großen Anteil daran hatte nicht zuletzt die DFB-Elf, die in der Vorrunde ein wahres Torfestival feierte. Die torreichen Spiele gegen Australien (4:3), Tunesien (3:0) und Argentinien (2:2) bescherten dem Team am Ende zum Gruppensieg. Erfrischender Offensivfußball entfachte die Euphorie auf die WM noch mehr. Die löchrige Defensive bereitete einigen Skeptikern allerdings Sorgenfalten. Die 2:3-Niederlage im Halbfinale gegen Brasilien war zu verschmerzen, zumal sich Deutschland zu diesem Zeitpunkt noch nicht auf Augenhöhe mit dem damaligen amtierenden Weltmeister befand. Schließlich konnte zu diesem Zeitpunkt seit knapp 5 Jahren (1:0 gegen England) kein Sieg mehr gegen eine große Fußballnation gefeiert werden. Der Sieg im Spiel um Platz 3 gegen Mexiko (4:3 n. V.) rundete den Confed Cup passend ab.

Parallelen zu 2005

Auch bei der insgesamt 3. Teilnahme der Nationalmannschaft sind die Voraussetzungen ähnlich. Wieder vertraut der Bundestrainer auf eine junge und hungrige Mannschaft, die den Titel holen will. Jogi Löw erhofft sich bei dieser Mission erkenntnisreiche Eindrücke für das Unterfangen Titelverteidigung im nächsten Jahr. Wer kann den arrivierten Spielern, die in diesem Jahr eine regenerative Pause erhalten, Druck machen?

Einen großen Unterschied gibt es freilich. Deutschland geht als amtierender Weltmeister und Top-Favorit ins Rennen. Das erzeugt automatisch größeren Druck. Sollte am Ende dennoch eine ähnlich torreiche und gute Generalprobe wie vor 12 Jahren zu Buche stehen, hätten wohl alle Beteiligten nichts dagegen einzuwenden.

Den Confed Cup 2005 gewann Brasilien mit einem 4:1 im Finale über Argentinien.
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