Carrasco und Gaítan: Atlético Madrid in der China-Falle

Carrasco und Gaítan: Atlético Madrid in der China-Falle

Kurz vor dem Ende der chinesischen Transfer-Periode musste Atlético Madrid 2 Abgänge hinnehmen. Der Belgier Yannick Carrasco und sein argentinischer Teamkollege Nicolas Gaitan schlossen sich Aufsteiger Dalian Lifang an. Es sind Wechsel mit pikanter Note. Die Eigentümer von Lifang engagieren sich finanziell auch in Madrid…

Ein „Gracias“ für Yannick Carrasco (24) und Nicolas Gaítan (30), ein simples „Alles Gute in China“ – das war die kurze Abschiedsmeldung für die Atlético-Spieler beim offiziellen Twitter-Account des 10-maligen spanischen Fußballmeisters.

Carrasco und Gaítan von Atlético Madrid nach China

Seit Montagabend ist es perfekt: Die beiden Atlético-Außenstürmer aus Argentinien und Belgien wechseln mit sofortiger Wirkung zum chinesischen Erstliga-Aufsteiger Dalian Lifang. Unmittelbar vor dem Transfer-Schluss in China am Montag ging der Deal für eine Gesamt-Ablöse von 48 Mio. € über die Bühne. „Dieser Wechsel, wenn er zustande kommt, ist wichtig“, hatte Atlético-Coach Diego Simeone (47) zuvor in der Marca die Spekulationen angeheizt, „Carrasco ist ein Spieler mit großer Zukunft und großartiger Gegenwart.“

Das darf bezweifelt werden. Für Carrasco ist der Wechsel nur aus finanzieller Hinsicht der ganz große Wurf. Der Belgier kam in dieser Saison nur auf 17 Einsätze in La Liga, davon 8 in der Startelf. Er erzielte lediglich 3 Tore. Bei Dalian Lifang kassiert Carrasco Medienberichten zufolge 10 Mio. € Jahresgehalt. Erfüllt er seinen 6-Jahres-Vertrag, bedeutet dies ein Gehaltsvolumen von 60 Mio. €.

Der WM-Zug dürfte für Belgiens Carrasco abgefahren sein!

„Die chinesische Liga boomt, die Arbeitsbedingungen sind fantastisch, die Spieler und Fans können eine moderne Infrastruktur nutzen und das Spielniveau wird jede Saison besser“, redete sich Carrasco den Transfer in die sportlich unbedeutende Chinese Super League schön. „Mein Weggang aus Europa bedeutet nicht, dass ich nicht mehr motiviert bin, zur WM zu fahren. Ich werde alles dafür tun, um dem Nationaltrainer in den kommenden Monaten zu zeigen, dass ich bereit bin für Russland“, wird Carrasco in einer Presse-Information seines neuen Klubs zitiert. Seine Chancen auf einen Platz im belgischen WM-Kader dürften nicht größer geworden sein.

Nicolas Gaítan stand schon im Januar vor einem Wechsel zu Swansea City in die Premier League. Der Argentinier blieb in 13 Pflichtspielen bei nur 548 Einsatzminuten ohne Torerfolg.

Atlético Madrid und die Wanda-Group: Es ist kompliziert!

Was auf den ersten Blick wie ein Transfer-Hammer wirkt, ist vor allem für den Verein nicht nur in sportlicher Hinsicht ein enttäuschender Deal. Von den Carrasco-Einnahmen erhält Atlético Madrid lediglich 22 Mio. €. Exakt 25% der Summe gehen an Carrascos früheren Klub AS Monaco. Bedenklicher wird der Doppel-Transfer mit Blick auf den Eigentümer von Dalian Lifan. Die chinesische Dalian-Wanda-Group, Namensgeber des neuen Atlético-Stadions Wanda Metropolitano, war bis vor kurzem auch mit 17% Anteilen beim CL-Finalisten von 2016 beteiligt. Mitte Februar veräußerte die Chinesen ihre Prozente an die israelische Quantum Pacific Group (QPG). 2015 war der Mischkonzern mit einem Investitionsvolumen von 45 Mio. € in Madrid eingestiegen.

Zieht es auch Atlético-Legende Torres nach Fernost?

Ein Ende der Transferströme vom Champions-League-Absteiger nach Fernost ist dennoch nicht abzusehen. Im Sommer könnte eine echte Klublegende der Colchoneros folgen: Fernando Torres. Der inzwischen 33-jährige Stürmer ist seit Januar 2015 wieder bei seinem Ausbildungsverein. Er steht bei Atlético allerdings im Schatten seiner Stürmerkollegen Kevin Gameiro, Antoine Griezmann und Diego Costa. In der laufenden Saison schaffte es „El Nino“ (Das Kind) bei 16 Liga-Spielen (Alle Wetten zur Primera Division) nur 3-mal in die Anfangself. Spanischen Medien zufolge würde der Welt- und Europameister bei Dalian Lifang ein Jahres-Salär von 15 Mio. € einstreichen.

Jubeln Yannick Carrasco (r.) und Fernando Torres bald auch gemeinsam in China?
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