Schluss mit der Rennerei: Wie sich RB Leipzig neu erfand…

Schluss mit der Rennerei: Wie sich RB Leipzig neu erfand…

Die fast schon triumphal klingenden Schlagzeilen wie „Die Gegner haben Leipzig entschlüsselt“ (F. A. Z.) Mitte März nach 2 weiteren Pleiten in der Bundesliga in Folge können zu den Akten gelegt werden. Dass der „Leipzig-Code“ keineswegs geknackt ist, stellten die Roten Bullen in den letzten Spielen eindrucksvoll unter Beweis. Es gibt genügend Fakten.

„Wir dürfen jetzt nicht in Schönheit sterben“, mahnte RBL-Coach Ralph Hasenhüttl in der Pressekonferenz nach der historischen 0:3-Pleite gegen den Hamburger SV am 11. Februar 2017. Geschichtsträchtig war die Abreibung vom Bundesliga-Dino deshalb, weil es die 1. Heimpleite der Roten Bullen im „Oberhaus“ war und weil man zum 1. Mal in der noch kurzen Liga-Zugehörigkeit 2 Niederlagen in Folge hinnehmen musste. Die Spiele in Dortmund beendeten die Leipziger im Februar ohne Punkte und ohne eigenes Tor.

4 Pleiten in 8 Spielen – doch die Skeptiker jubeln zu früh

Kritiker, die dem in der Vorrunde mit 39 Punkten auf Rang 2 vorgepreschten Aufsteiger ohnehin den Absturz prophezeit hatten, fühlten sich spätestens nach dem nächsten Doppel-Niederschlag gegen den VfL Wolfsburg (0:1) und in Bremen (0:3) bestätigt. „Das Rezept gegen die Leipziger Stressmacher: Vor allem im Abwehr-Mittelfeld-Bereich kompakt stehen, vor allem Emil Forsberg und Naby Keita erst gar nicht zur Entfaltung kommen lassen, so dass der deutsche Bundesliga-Top-Torjäger Timo Werner gar nicht den Ball bekommt“, glaubte etwa die F. A. Z. nach der Heimniederlage gegen die Wölfe schon die Erfolgsformel gefunden zu haben.

In der Rückrunde zeigte sich Leipzig auch taktisch variabler

Doch in Leipzig zeigte sich in der Rückrunde, dass man nicht nur innovativ, sondern auch lernfähig ist. Hasenhüttl reagierte auf die kompakter und tiefer stehenden Gegner. „Um da Lösungen zu finden, müssen wir den Ball gut laufen lassen“, so die Überlegung des Österreichers. Das Team setzte es um.  Mit 53,9 Prozent Ballbesitz hielten die Leipziger das Leder länger als in der Hinrunde, rieb sich weniger in Defensiv-Zweikämpfen (49,4 Prozent statt 52,3 Prozent in der Hinserie), also direkten Duellen bei gegnerischem Ballbesitz, auf. Zudem betrieb man mit einer geringeren, aber dennoch effektiven Laufleistung von 112,9 Kilometern – in den ersten 17 BL-Spielen legte RBL 115,4 Kilometer zurück – einen geringeren läuferischen Aufwand.

Auffällig war auch die taktische Vielseitigkeit. In der Hinrunde spielte RBL fast stur im 4-2-2. Nicht so im 2. Saisonabschnitt. Hasenhüttl rochierte zwischen dem offensiven 4-3-3-System und einem 4-4-2 mit Doppel-6. Beide Formationen führten zum Erfolg. Im 4-4-2-System stürmte RBL beim 4:1 in Berlin am 32. Spieltag in die Champions League. Mit der Anordnung im 4-3-3 nahm man Darmstadt und Freiburg (jeweils 4:0) auseinander. Lediglich das Experiment mit einem defensiven 3-4-2-1 ging in Bremen am 25. Spieltag komplett daneben.

Kein purer Konterfußball mehr

Auch war Leipzig bemüht, sich nicht mehr als reines Konter-Team zu präsentieren: Nur 5 Tore erzielte man in der Rückrunde nach Tempo-Gegenangriffen. In der Hinrunde waren es 9 Kontertreffer. „Die neue Spielweise hat einen weiteren Vorteil“, schreibt Jörg Hobusch in SPORT BILD dazu, „mit diesem Stil können problemlos 3 Partien in der Woche bestritten werden. Das kommt nun auf Leipzig zu. Mit dem kraftraubenden Fußball, den Leipzig zu Saisonbeginn spielte, wäre das viel schwerer möglich gewesen.“

Fazit: Leipzig erfand sich spielerisch neu, verblüffte die Konkurrenz und behauptete so Platz 2. Nur 1 Verein schien mit dem „alten“ als auch mit dem „neuen“ Leipziger-Code keine Probleme zu haben: Serien-Meister FC Bayern. Die Münchner waren mit 3:0 und 5:4 das einzige Team in dieser Saison, das die Roten Bullen 2-mal bezwingen konnte.

Nur der FC Bayern, der im Hintergrund das 3:0 im Hinspiel bejubelt, war in dieser Saison für RB Leipzig und Timo Werner (vorn) 1 Nummer zu groß…
X