Bundesliga: Von wegen Konterfußball!

Bundesliga: Von wegen Konterfußball!

Tempofußball, Gegenpressing, schnelles Arbeiten gegen den Ball – die Bundesliga lebt von taktischen Innovationen. Ein Spielzug ist allerdings dabei, außer Mode zu kommen: Der gute, alte Konter. Der Konterfußball ist auf dem Rückzug – und dafür gibt es Gründe.

Wer nicht kontert, steigt ab. Hätten Sie gedacht, dass diese simple und nur wenig bekannte Floskel im abgelaufenen Spieljahr in der Bundesliga für die beiden Absteiger SV Darmstadt 98 und FC Ingolstadt zur bitteren Wahrheit wird? Die Lilien und die Schanzer erzielten – gemeinsam mit den in der Offensive ebenfalls zahnlosen Frankfurtern – die wenigsten Konter-Tore in der Saison 2016/2017. Nur 3-mal konnten die Darmstädter und Ingolstädter einen Ballgewinn in der eigenen Spielhälfte zu einem schnellen Gegenangriff mit erfolgreichem Tor-Abschluss machen.

Werder und Leipzig: Spezialisten des Konterspiels

Meister der Konter-Attacken in der vergangenen Spielzeit war der SV Werder Bremen. Die Hanseaten trafen 15-mal nach Kontern. Am meisten profitierten dabei ihre Offensivspieler Max Kruse und Fin Bartels. Ex-Nationalspieler Kruse war an 10, Bartels an 9 Konter-Treffern direkt beteiligt. Liga-Neuling RB Leipzig gilt ebenfalls als Konter-Spezialist. Die Roten Bullen trafen 14-mal nach Tempo-Gegenangriffen. Meister FC Bayern München konterte seine Gegner 12-mal erfolgreich aus.

Und die hochgelobten „Vollgas-Fußballer“ von Borussia Dortmund? Der BVB belegt mit nur 8 Kontertreffern in einer von SPORT BILD (aktuelle Ausgabe) veröffentlichten Statistik lediglich einen Mittelfeldplatz.

Die Bundesliga und ihre Konter – geht man nur nach den Zahlen, so ist die deutsche Fußball-Eliteklasse so konterschwach wie selten. Seit dem Beginn der Daten-Erfassung im Spieljahr 1992/93 – auch populär durch die „ran-Datenbank“ – gab es noch nie so wenige Torschüsse nach Kontern wie im letzten Jahr. 706 Tor-Abschlüsse wurden nach Kontern gespielt. Nur 128-mal zappelte der Ball am Ende im gegnerischen Netz. Das ist der schlechteste Wert seit 1999/2000. Und das trotz des Powerfußballs des mit 74 Treffern offensivstärksten Teams von Vizemeister Bayer 04 Leverkusen.

In der Saison 2015/2016 lag die Zahl der Konter-Treffer im Schnitt pro Spieltag bei 3,8. In der noch jungen Saison liegt diese Marke nur bei 2,5. Warum ist das so?

Das Märchen von der Konterliga

„Hauptgrund sind die Gegenmaßnahmen der Teams“, erklärt Autor Jörg Hobusch in SPORT BILD, „kompakt stehen lautet das Geheimnis.“ DER SPIEGEL schrieb am Ende der Bundesliga-Hinrunde 2016: „Bayerns Ex-Trainer Josep Guardiola wurde während seiner dreijährigen Amtszeit in München nicht müde, zu betonen, dass die Bundesliga die Heimat der weltbesten Kontermannschaften sei. Die Analyse der 408 Hinrundentore ergibt ein anderes Bild. Bei der Mehrheit der Treffer wurde die gegnerische Abwehr keinesfalls kalt erwischt. 237-mal war die Defensive geordnet, als sie ein Tor kassierte, das entspricht 58%.“

Verflixt! Die fehlende Konterstärke war ein Grund für den Abstieg von Darmstadt 98 aus der Bundesliga. Stattdessen wurden die Hessen – wie im Bild wurden die Hessen am 28. Januar 2017 beim 1:6 gegen die bei Gegenangriffen starken Kölner – zu oft überrumpelt. 

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