Bundesliga: Das harte Los der U23-Mannschaften

Bundesliga: Das harte Los der U23-Mannschaften

Bochum, Frankfurt und Leverkusen haben es getan, RB Leipzig wird es im Sommer tun. Immer mehr Fußball-Bundesligisten ziehen ihre U23-Mannschaft vom Spielbetrieb zurück. Zu hohe Kosten, zu wenig Fans –  so lauten die gängigsten Argumente. Bei den nicht gerade als Zuschauermagneten geltenden Zweitvertretungen der Bundesliga-Klubs ist jedoch nicht alles schlecht.

Die Teufelchen dürften nicht untergehen. Das wünschen sich zumindest die Fans des 4-maligen Deutschen Meisters 1. FC Kaiserslautern. In einer Online-Umfrage des Portals der-betze-brennt.de sprachen sich 79% der abstimmenden User gegen den Rückzug der U23-Mannschaft des FCK aus.

Auch Weltmeister Klose kickte für die „Roten Teufelchen“

Im Februar 2017 hatte Lautern-Vorstand Thomas Gries – wie schon in den letzten Jahren – Gedankenspiele zum Rückzug der U23 bestätigt. Die Fakten sprechen in Kaiserslautern – wie auch anderswo – für die Streichung der „roten Teufelchen“ vom Spielplan. Zwischen € 1,2 und € 1,5 Mio. Euro kostete die 2. Vertretung die finanziell klammen Pfälzer in den letzten Jahren. In dieser Saison sollen die Betriebskosten in der Regionalliga Südwest immer noch im 7-stelligen Bereich liegen. In der 4. Liga steckt der FCK II auf Rang 16 liegend im Abstiegskampf, ist mit nur 332 Fans im Schnitt, die sich im riesigen Fritz-Walter-Stadion verlieren, Letzter in der Zuschauertabelle. Lichtblicke in Lautern sind Torjäger Robert Glatzel (12 Saisontore), der inzwischen den Sprung in den Zweitliga-Kader geschafft hat, und Spieler wie Dominique Heintz, Willi Orban und Jean Zimmer. Sie empfahlen sich über die U23 des FCK ebenfalls für höhere Aufgaben. Und dann war da noch ein gewisser Miroslav Klose, der noch 1999/2000 in der Regionalliga für Lautern II spielte…

2 Bundesliga-Nachwuchsteams spielen in der 3. Liga. 21 weitere verteilen sich auf die 5 Regionalligen. Der VfL Bochum, Bayer 04 Leverkusen und Eintracht Frankfurt haben ihre U23 bereits zurückgezogen. Der Kostenfaktor und die fehlende Akzeptanz bei den Zuschauern scheinen gewichtigere Argumente zu sein als die traditionelle Funktion der U23 als Talentschuppen.

Leipzigs „Rückzug aus Kostengründen“ klingt fadenscheinig

Wie in Leipzig. Der Bundesliga-Neuling gab Anfang Februar bekannt, dass er seine U23 am Saisonende aus dem Spielbetrieb nehmen wird. Aus Kostengründen, wie der von einem österreichischen Getränke-Multi finanzierte Verein wenig glaubwürdig erklärte. Für RB-Sportdirektor Ralf Rangnick entsteht durch die Abmeldung der U23, die in der RL Nordost auf Rang 3 steht und im Schnitt immerhin 665 Fans ins Stadion am Cottaweg lockt, sportlich kein Nachteil. „Insgesamt werden durch diese Umstellung zwar weniger, dafür aber extrem begabte 19- bis 20-jährige Talente bei RB Leipzig spielen, die noch intensiver ausgebildet werden können und damit hochqualifiziert auf Einsätze im Profibereich vorbereitet werden“, argumentiert der Schwabe. Zu diesen Talenten gehört mit Federico Palacios Martinez (10 Saisontore) auch ein Spieler, der bereits 2-mal in der Bundesliga zum Zug kam.

Zuschauer: Nur die kleinen Löwen, Bayern II und BVB II ziehen…

Gewichtigstes Argument der Klubs neben den hohen Kosten sind die fast überall enttäuschenden Besucherzahlen. Die Ausnahme bilden – fast erwartungsgemäß – die U23-Teams der Spitzenklubs Borussia Dortmund und FC Bayern München. Das Team von BVB II steht auf dem 2. Platz der Regionalliga West und lockt im Schnitt 1.807 Fans an. Die „kleinen Bayern“ sind 4. in der Regionalliga und kommen auf einen Besucherschnitt von 1.054 Fans. Beliebteste U23 in der RL Bayern sind nur die „kleinen Löwen“, die sich mit dem FCB das altehrwürdige Stadion an der Grünwalder Straße teilen und durchschnittlich 1.393 Zuschauer begrüßen.

Aber: Nimmt man in der Regionalliga West den Zuschauerschnitt von Krösus Rot-Weiß Essen (7.454 Fans im Schnitt) als Maßstab, so spielen die 2. Vertretungen von Fortuna Düsseldorf (372) und Schalke 04 (370) fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Absolutes Schlusslicht in der Zuschauergunst ist Greuther Fürth II in der RL Bayern. Nur 200 Unentwegte verirren sich im Schnitt zu den Heimspielen an den Ronhof. In der Regionalliga Südwest kommt – ebenso wie im Nordosten mit RBL und Hertha II – kein U23-Team auf einen 4-stelligen Zuschauerschnitt. Im Norden locken insgesamt 5 U23-Mannschaften (u. a. HSV und Wolfsburg) allesamt unter 600 Zuschauern pro Spiel an.

Ein Schattendasein fristen auch die U23 von Werder Bremen und des 1. FSV Mainz 05 in der 3. Liga. Letzter und vorletzter Platz in der Zuschauertabelle und trotz eines Marktwerts von € 7,3 bzw. € 8,2 Mio. – den höchsten Kaderwerten der Bundesliga-U23-Teams – stecken beide im Tabellenkeller fest. Mainz II ist mit 8 Punkten Rückstand auf die Nicht-Abstiegsränge schon abgeschlagen.

Tristesse pur im Fritz-Walter-Stadion beim Regionalliga-Derby Kaiserslautern II - Eintracht Trier.
Tristesse pur im Fritz-Walter-Stadion beim Regionalliga-Derby Kaiserslautern II – Eintracht Trier.
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