Braunschweig und die Magie der 67

Braunschweig und die Magie der 67

Im 50. Jubiläumsjahr der sensationellen Deutschen Meisterschaft von 1967 peilt Eintracht Braunschweig die Rückkehr in die Fußball-Bundesliga an. Die Erinnerung an `67 ist dabei mehr als eine kleine Motivationshilfe.

Ein Löwe und die Inschrift „Deutscher Fußballmeister 1967“ – mit diesem besonderen Vereinsemblem auf dem Trikot scheinen die Profis von Eintracht Braunschweig bestens auf das 50. Jubiläum der größten Saison der Klubgeschichte eingestellt.

„Ein Anreiz für Heldentaten? Das ist sicher ein kleiner Hintergedanke“, verriet Manager Marc Arnold schon zum Saisonstart. Bei den Niedersachsen dreht sich aber auch sonst vieles um die Deutsche Meisterschaft vor fast 50 Jahren. In der 67. Minute stimmen die treuesten Fans im Eintracht-Stadion an der Hamburger Straße Kurvengesänge von 1967 an. Die Braunschweiger Meister nahmen 2012 – zum 45-jährigen Jubiläum sogar eine CD mit ihren alten Songs auf. Die Legende besagt, dass die Braunschweiger – analog zu den „Helden von Bern“ von 1954 – unterwegs bei Auswärtsfahrten im Mannschaftsbus zur Gitarrenbegleitung von Torhüter Hans Jäcker so manches Liedchen schmettert.

Das wäre für den Pfälzer Trainervulkan der Braunschweiger, Torsten Lieberknecht, in seiner 9. Saison bei den Niedersachsen, sicher des Guten zu viel.

Doch die Aussicht, dass die Magie der 67 der Mannschaft am Saisonende zum Erfolg verhilft, ist da.

Mit 40 Zählern aus 22 Spielen trennt Braunschweig nur 1 Zähler vom Relegationsplatz, im direkten Duell gegen den Tabellenführer VfB Stuttgart kann man mit einem Sieg am Montagabend bis auf 4 Punkte an die Schwaben herankommen.

Eintracht Braunschweig `67: Absolute Minimalisten

Rückblende: Braunschweigs Team von 1966/67 gilt bis heute als „Der unbekannte Meister“ der Bundesliga. Ohne wirkliche Stars – nimmt man den 14-fachen Torschützen Lothar Ulsaß einmal raus – erwiesen sich die Blau-Gelben als absolute Minimalisten unter den Bundesliga-Meister. 43 Punkte (60 Zähler auf die 3-Punkte-Regel umgerechnet) bedeuteten die geringste Ausbeute aller Zeiten beim gelungenen Griff nach der Schale. Dazu kommen die wenigsten Tore (49), die je ein Bundesliga-Meister erzielte, und die wenigsten Auswärtstreffer (14) eines späteren Titelträgers. Wie der FC Bayern 1993/94 gewannen die Niedersachsen in ihrem Meisterjahr auswärts nur 4-mal.

Derart schmal wird die Bilanz der Eintracht im Erfolgsfall nicht ausfallen. 1 Sieg gegen Stuttgart – und die Lieberknecht-Schützlinge hätten nach 23 Spielen exakt die gleiche Punktzahl wie ihre Vorgänger, die Braunschweig einst auf die Fußball-Landkarte brachten. Auch trainiert Lieberknecht keine No-Name-Truppe wie einst Meistercoach Helmuth Johannsen († 1998). Mit einem Gesamtwert von € 19,9 Mio. Euro verfügt Eintracht Braunschweig über den 3. teuersten Spielerkader der 2. Liga. Der Schweizer Innenverteidiger Saul Decarli ist mit € 1,6 Mio. wertvollster Spieler im Team.

Zahlenspiele: Auswärts so zurückhaltend wie auch vor 50 Jahren

Nostalgisch wie Anno `67 mutet jedoch die Auswärtsbilanz des BTSV in dieser Spielzeit an. 11 Treffer in fremden Stadien bedeuten bei gerade mal 3 Erfolgen in der Fremde (zuletzt 1:0 beim SV Sandhausen) nur Rang 6 in der Auswärtstabelle der 2. Liga.

Ungeachtet der in Braunschweig beinahe magischen Zahl 67 ist Arnold von der Wiederholung eines anderen Eintracht-Wunders überzeugt. „Wir haben schon Bundesliga gespielt“, sagt er mit Blick auf 2013, „wir wollen dorthin zurück, das ist unser sportlicher Ehrgeiz.“

Braunschweiger Auswärtssiege - hier in Sandhausen - sind so rar wie auch 1966/67.
Braunschweiger Auswärtssiege – hier in Sandhausen – sind so rar wie auch 1966/67.
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