Bayern München: Wie aus Dusel ein Qualitätsmerkmal wird

Bayern München: Wie aus Dusel ein Qualitätsmerkmal wird

Der FC Bayern München und der Begriff Bayern-Dusel gehören schon seit geraumer Zeit zusammen. Sogar bei Wikipedia gibt es einen eigenen Eintrag und die Fans des Rekordmeisters skandierten schon des Öfteren „Duselbayern, Duselbayern – hey, hey!“ In der zurückliegenden Bundesligasaison hat es der Rekordmeister anscheinend auf die Spitze getrieben, doch von Dusel wird immer seltener gesprochen.

Ganze 11 Mal traf der FCB in der letzten Minute oder der Nachspielzeit. Glück, Können oder reine Überzeugung? Allein 8 Punkte holte die Mannschaft von Trainer Carlo Ancelotti damit im Schlussspurt. Ohne diese Zähler hätte es in der Meisterschaft spannend werden können, denn alle 8 Punkte wurden im Jahr 2017 eingefahren.

Auch am letzten Spieltag ließen die Bayern nicht locker, schenkten dem SC Freiburg in der Nachspielzeit gleich 2 Tore ein (4:1). Moment, das gab es doch auch zuvor. Richtig, auch in Leipzig am vorletzten Spieltag setzten die Bayern durch einen direkt verwandelten Freistoß von David Alaba und eine feine Einzelaktion von Arjen Robben 2 spektakuläre Ausrufezeichen am Ende eines wahnsinnigen Spiels. 5:4 hieß es beim Schlusspfiff. Da könnte der Doppelpack (Vidal, Robben) auf den letzten Drücker beim FC Ingolstadt (2:0) glatt in Vergessenheit geraten.

Auswärts trifft es sich besser und schön

Bemerkenswert: 9 ihrer 11 Last-Minute-Tore erzielte Bayern München im gegnerischen Stadion. Wer nun meint, die Mannschaft hätte den Ball in einer finalen Aktion über die Linie gemogelt, dem sei gesagt, dass lediglich der späte 1:1-Ausgleich beim Gastpiel in Berlin als ein unattraktives und zugleich glückliches „Stocher-Tor“ bezeichnet werden kann. Ganz nebenbei stellte Bayern München damit einen neuen Rekord auf. Noch nie seit 1992 fiel so spät (95 Minuten und 57 Sekunden) in einem Bundesligaspiel noch ein Treffer.

Nur 3 Tore fielen insgesamt im Anschluss an einen ruhenden Ball, inklusive der sehenswerten Freistöße von Alaba (gegen Leipzig) und Lewandowski (gegen Mainz). Das waren auch die einzigen Treffer, welche das Team von außerhalb des Strafraums markierte. Alle anderen Tore wurden fast ausnahmslos nach individuellen Aktionen, Kombinationen, Flanken oder per Konter erzielt. Von reinem Glück kann hier also keine Rede sein.

Unverdientes Glück?

Per Definition bedeutet Dusel so viel wie unverdientes Glück, doch von dieser Entschuldigung müssen sich die nervösen und am Ende gepeinigten Gegner verabschieden. Viel besser beschreiben es die Worte von Managementberater und Sportphilosoph Reinhard K. Sprenger. „Ungefähr ab der 85. Minute greift die enorme Erfolgszuversicht der Bayern-Spieler. Und in gleichem Maße schrumpft sie bei den Gegenspielern. Der FC Bayern schafft es, diesen Mythos der Erfolgszuversicht immer wieder neu zu impulsieren.“

Lewandowski trifft für Bayern München
Robert Lewandowski trifft nach perfekter Ballannahme im Hinspiel gegen Freiburg zum 2:1. Die Breisgauer mussten insgesamt 3 Last-Minute-Tore gegen den Rekordmeister hinnehmen.
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