Bayer Leverkusen: Der Fisch stinkt vom Kopf

Bayer Leverkusen: Der Fisch stinkt vom Kopf

Das hatten sich die Verantwortlichen von Bayer Leverkusen ganz anders vorgestellt. Statt um die Meisterschaft und die Champions League zu kämpfen, steckt die Werkself im Abstiegskampf. Der teure Kader hinkt den Erwartungen meilenweit hinterher. Roger Schmidt musste bereits gehen und auch Tayfun Korkut hat unterm Bayer-Kreuz keine Zukunft. Die Bosse Rudi Völler und Michael Schade stehen stark in der Kritik, wollen aber keine persönlichen Konsequenzen ziehen. Dabei tragen sie eine große Mitschuld an der Misere.

37 Punkte nach 32 Spielen – zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft bei Bayer Leverkusen eine riesige Lücke. Die Konsequenz aus der schwachen Saison bekam bislang nur Roger Schmidt zu spüren. Der Trainer, der den Klub seit 2014 3 Mal in Folge in die Champions League führte, musste am 5. März seinen Hut nehmen.

Auch sein Nachfolger Tayfun Korkut, der aus 9 Spielen bislang nur einen Sieg holte, ist Mitverantwortlich für die brenzlige Lage und wird zur neuen Saison keinen neuen Vertrag bekommen. Damit wird ein Großteil der Schuld– die Mannschaft mal ausgenommen – den beiden Trainern zugeschustert.

Was aber ist mit den beiden Verantwortlichen Rudi Völler und Jens Schade, die das Team zusammenstellten, beide Trainerverpflichtungen zu verantworten haben und eine große Mitschuld an der schlechten Stimmung (Ärger mit den Fans) im Umfeld des Klubs tragen? Müssen sie keine Konsequenzen befürchten? Die Antwort: Nein! Völler sagte am Samstag vor dem Spiel beim FC Ingolstadt (1:1) auf seine persönliche Zukunft (möglicher Rücktritt) angesprochen in die TV-Mikrofone von Sky:

„Nein, das wäre sicherlich auch der falsche Zeitpunkt. Völliger Blödsinn. Wir müssen gucken, dass wir das Bestmögliche noch rausholen. Am Ende der Saison wird abgerechnet.“

Als Reporterin Christina Rann eine weitere kritische Nachfrage anbrachte, würgte der Bayer-Sportchef sie ab, grummelte „Lassen Sie’s gut sein…“, drückte ihr das Mikrofon in die Hand und ging einfach weg. Wie gewohnt reagierte Völler auf unbequemes Nachragen und Kritik sehr impulsiv und äußerst dünnheutig. Auf eine Rücktritts-Frage mit „völliger Blödsinn“ zu antworten, ist in der derzeitigen Situation des Klubs schon sehr fragwürdig, schließlich muss auch der ehemalige DFB-Teamchef mal die Verantwortung für seine Fehlentscheidungen tragen.

Seit 2005 arbeitet Völler als Sportdirektor in Leverkusen. In diesem Zeitraum hat der Klub 8 verschiedene Übungsleiter beschäftigt. Nach Schalke ist das von allen Spitzenklubs der Bundesliga der höchste Trainer-Verschleiß. Der Unterschied zum S04: Während bei Königsklau mit Andreas Müller, Felix Magath und Horst Heldt auch die Manager/Sportchefs für ausbleibenden Erfolg und eigene Fehler bezahlen mussten, darf Völler in Leverkusen weiterhin beliebig schalten und walten.

Fakt ist: Völler hat in seine Zeit bei Bayer bereits mehrmals mit Trainer-Verpflichtungen und Transfers danebengelegen. Konsequenzen gab es für ihn bislang nie. Zwar ist er die einzige Persönlichkeit in Leverkusen, der dem Klub ein bisschen Glamour verleiht, aber das sollte kein Freifahrtschein sein dürfen. Vielleicht ist es auch bei Bayer mal Zeit für eine Veränderung – und zwar auf den Führungspositionen.

Lagen mit der Verpflichtung von Tayfun Korkut (m.) erneut daneben: Michael Schade (l.) und Rudi Völler (r.).
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