Andrea Pirlo: Abschied eines Fußball-Philosophen

Andrea Pirlo: Abschied eines Fußball-Philosophen

Mit Andrea Pirlo (38) verabschiedet sich eine Legende des italienischen Fußballs. Der kultivierte Spielmacher, ein ruhiger Vertreter seiner Zunft, fand zum Karriere-Abschluss beim MLS-Klub New York City FC emotionale Worte.

Andrea Pirlo meldete sich am Montagnachmittag via Twitter zu Wort. „Nicht nur mein Abenteuer in New York ist zu Ende, sondern auch meine Reise als Fußballer“, so seine bedeutungsschwere Botschaft. „Deshalb möchte ich die Möglichkeit nutzen, um meiner Familie und meinen Kindern für ihre Unterstützung und ihre Liebe meinen Dank auszusprechen“, so Pirlo weiter.

Andrea Pirlo: Der Mann mit den vielen Spitznamen

Mehr als 750 Pflichtspiele hat der Mittelfeld-Allrounder in seiner fast 20 Jahre andauernden Profikarriere bestritten. Zu seinen Klubs gehörten Brescia Calcio, Inter und der AC Mailand, Juventus Turin und zuletzt der US-amerikanische Erstligist New York City FC. Für die Amerikaner machte Pirlo seit 2015 noch einmal 150 Liga-Spiele in der MLS. Nach dem Scheitern im Playoff-Viertelfinale gegen Columbus Crew erklärte er nun seinen Rücktritt.

Pirlo: Ein Muster an Fairness

Andrea Pirlo gehörte in seiner Glanzzeit zu den kultiviertesten Spielmachern im Weltfußball. Hohe Spielintelligenz, exzellente Technik, Präzision und Nervenstärke bei Standardsituationen zeichneten ihn aus. Pirlo legte aber immer auch großen Wert darauf, seinen Job als prädestinierter Tor-Vorarbeiter nicht zu unterschätzen. „Es ist schwerer, ein Tor vorzubereiten, als es selbst zu erzielen“, erklärte er, „weil man die richtige Anspielposition für den Mitspieler erst erahnen muss.“ Eine Kunst, die ihm in Italien eine Fülle an Spitznamen einbrachte: Metronom, Mozart, Professor, stiller Leader.

„Er ist ein Denker und Lenker mit einem sehr guten Auge“, beschreibt der frühere deutsche Nationalspieler Manfred Binz seinen ehemaligen Mitspieler bei Brescia Calcio aus der Saison 1996/97, „obwohl er fast nie grätscht, erobert er oft den Ball.“ Zudem steht Pirlo für beispielhafte Fairness. „Er hat sich nie beklagt oder sich zu Schwalben hinreißen lassen“, adelt ihn sein früherer Nationalmannschaftskollege Daniele de Rossi (34).

Kein Spieler für die Show

In der glamourösen Welt des italienischen Spitzenfußballs galt Andrea Pirlo fast als Relikt. Der passionierte Winzer – 2010 übernahm er ein Weingut bei Brescia – hatte für den Rummel in der Serie A nie viel übrig. „Es gibt nur wenige Spieler, die mehr über das Spiel und den Wahnsinn im Umfeld wissen, als Andrea Pirlo“, schrieb die Financial Times. Vom Imponiergehabe einiger Weggefährten wie Antonio Cassano hielt der stille Maestro nichts. „Cassano gibt damit an, mit 700 Frauen geschlafen zu haben, aber ich glaube nicht, dass er wirklich glücklich ist“, so Pirlo lakonisch. Auftritte des Fußball-Philosophen in den lauten italienischen TV-Shows blieben Mangelware.

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Sein Profi-Debüt gab Andrea Pirlo bereits mit 16 Jahren bei Brescia Calcio. Spätestens mit seinem Wechsel zum AC Milan (2001) eilte er von Erfolg zu Erfolg. Mit Milan holte Pirlo 2-mal die Champions League und 2-mal die italienische Meisterschaft. In Diensten von Juventus Turin gewann er ab 2011 insgesamt 4-mal den Scudetto. Unbestrittener Höhepunkt in der Laufbahn des 116-fachen italienischen Nationalspielers war der WM-Triumph 2006 in Deutschland im Finale gegen Frankreich im Elfmeterschießen.

Pleite gegen Liverpool fast der Karriere-Knackpunkt

Ein anderer Elfmeterkrimi hätte beinahe vorzeitig für den Ruhestand des Professors gesorgt: Die Niederlage im Shoot-out gegen den FC Liverpool mit dem AC Mailand. Das nach 3:0-Pausenführung noch verlorenene CL-Finale von 2005 war ein Tiefpunkt. „Für einen Tag lang dachte ich, es ist vorbei“, sagte der Mittelfeldspieler später der Sportzeitung Tuttosport, „ich hatte keine Kraft mehr und wollte meine Karriere beenden.“

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Berlin, 9. Juli 2006: Nach dem Triumph mit Italien über Frankreich küsst Andrea Pirlo den WM-Pokal.
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