1860 und Ismaik: Ende einer beschämenden Ära

1860 und Ismaik: Ende einer beschämenden Ära

Sportlich befindet sich der in die Regionalliga Bayern abgestürzte Zweitliga-Absteiger 1860 München nach 2 Siegen aus 2 Spielen ganz gemächlich auf dem Weg der Gesundung. Nun haben die Mitglieder des Deutschen Meisters von 1966 auch außerhalb des Rasens ein Zeichen gesetzt. Der Verein will die Trennung vom schillernden jordanischen Investor Hasan Ismaik. Ein ebenso mutiger wie riskanter Schritt…

Robert Reisinger ist nicht wirklich wohl bei dieser Entscheidung. „Ich habe Kopfschmerzen dabei“, stellte der am Montagabend im Münchner Zenith neu gewählte Präsident des TSV 1860 München fest, „dieser Antrag, wenn er so gestellt wird, zwingt uns, zu handeln, ohne dass wir darüber nachgedacht haben.“

Mutiges, aber riskantes Votum

Auf die lange Bank schieben wollte man die Sache scheinbar aber auch nicht. Die Vereinsmitglieder hatten auf Antrag der „Löwin“ Ulla Hoppen mit überwältigender die Beendigung der Zusammenarbeit mit dem seit 30. Mai 2011 in München regierenden jordanischen Großinvestor Hasan Ismaik entschieden. Zuvor lehnten die rund 1.500 anwesenden Mitglieder auch die Kandidatur von Ismaiks Bruder Yaya, bei seiner Ankunft mit gellenden Pfiffen empfangen, für einen Posten im Verwaltungsrat ab.

Die von Ismaik nach dem Zweitliga-Abstieg nicht geleistete Zahlung zum Erhalt der Lizenz in der 3. Liga stellte für die Sechziger eine „Haupt-Pflichtverletzung“ im Vertrag dar. Für den Rückzug aus Giesing bleibt Ismaik eine Frist von 6 Monaten. Bis dahin soll er einen Käufer für seine Anteile finden bzw. 1860 München muss einen neuen Investor ausfindig machen. Eine mutige Entscheidung der Löwen-Mitglieder. Aber auch eine mit Weitsicht?

Unter Ismaik wurde 1860 zur Trainer-Schleuder

Fest steht: Ein Neuanfang in Liga 4 und im altehrwürdigen Stadion an der Grünwalder Straße kann nur dann wirklich gelingen, wenn der Verein und Ismaik getrennte Wege gehen. Der 40-Jährige hatte sich beim Traditionsklub wie ein Imperator aufgeführt. Allein 12 Trainer sah man seit Ismaiks Investment in München kommen und gehen. Dazu kamen ständig wechselnde Besetzungen auf dem Sportdirektor-Posten, Hausverbote gegen Journalisten und ein Tribünen-Verweis für die Verantwortlichen des FC St. Pauli. Sportlicher Tiefpunkt war der Sturz von der 2. Liga in die Regionalliga im Mai 2017.

Aber: Die drohende Insolvenz konnte 1860 im Juni nur abwenden, weil der umstrittene Ismaik bereit war, auf ein gewährtes Darlehen in Höhe von 8 Mio. € eine Stundung zu akzeptieren. Geht Ismaik nun gegen den Mitglieder-Antrag und den damit einhergehenden Rauswurf juristisch vor, droht dem Verein eine lange Schlammschlacht. Mehr noch: Bei Einfordern des Darlehens steht der Europapokalfinalist von 1965 möglicherweise vor der nächsten Zerreißprobe.

Die Tage von Hasan Ismaik bei 1860 München scheinen gezählt… 

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